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Projekt „PFL-EX“

Digitale Technologie soll die Arbeit in der Pflege verbessern

| Redakteur: Julia Mutzbauer

Zum Jahresbeginn 2019 startete das Projekt „Arbeiten 4.0-Lern-und Experimentierräume der Digitalisierung in Pflegeberufen“ (PFL-EX) mit dem Ziel die Verhältnisse in Pflege­einrichtungen deutlich zu verbessern. Bei diesem Projekt werden die Voraussetzungen zur Einführung und die sinnvolle Nutzung von digitalen Technologien in der Pflege, insbesondere in der Altenpflege erforscht. Hierbei testet das Pflegepersonal wie digitale Technologien im Alltag unterstützen können. Im Vordergund stehen dabei nicht die Technologien, sondern die Beschäftigten in der stationären und ambulanten Altenpflege.

Im Rahmen des PFL-EX Projekt werden unter anderem Technologien wie das Videokonferenzsystem "TrueConf" genutzt.
Im Rahmen des PFL-EX Projekt werden unter anderem Technologien wie das Videokonferenzsystem "TrueConf" genutzt.
( © Zentrum für Telemedizin/ ZTM )

In Hinblick auf die Digitalisierung in der Arbeitswelt hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gemeinsam mit der „Inititative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) die Förderrichtlinie „Zukunftsfähige Unternehmen und Verwaltungen im digitalen Wandel“ auf den Weg gebracht. In den sogenannten „Experiementierräumen“ sollen sich die Unternehmen und Verwaltungen intensiv mit den Potenzialen und Herausforderungen durch den Einsatz von digitalen Technologien beschäftigen.

Vor diesem Hintergrund hat das Institut für Technik und Arbeit (ITA) einen Förderantrag gestellt wodurch das Projekt „PFL-EX“ am Anfang des Jahres ins Leben gerufen wurde. Unter der Leitung der ITA startete das Projekt mit der Einführung von speziellen „Lern- und Experimentierräumen“. Als Projektpartner und Unternehmen der Sozialwirtschaft profitieren der Caritasverband für den Landkreis Miltenberg e.v. in der ambulanten Pflege, das Kreisaltenheim Amorbach sowie die DRK Residenz Heilbronn/Bad Friedrichshall für die Pflege im Altenheim von der Förderung als INQ-Projekt.

Von den 17 geförderten Projekten befassen sich neben dem „PFL-EX“ noch drei weitere Projekte mit dem Thema Digitalisierung in der Pflege.

„Lern- und Experimentierräume“

Die Aufgabe der „Lern- und Experimentierräume“ besteht darin, das Pflegepersonal über die Chancen und Rahmenbedingungen durch die Nutzung von digitalen Technologien in der Pflege zu informieren und die Möglichkeit zu schaffen, diese testen und anwenden zu können.

In der „Lernraumphase“ haben die Mitarbeiter der Pflegeeintrichtungen die Möglichkeit sich darüber zu informieren. Hierzu hat Ende Mai das PFL-EX Projektteam ein zentrales Informationstreffen unter dem Namen „Lernraumtag“ veranstaltet. Dort haben rund 80 Pflegekräfte aus allen Einrichtungen, die Möglichkeit gehabt, sich über die für sie wichtigen Themen der Digitalisierung zu infromieren und einen Einblick in den Markt zu erhalten.

Die Themen der Veranstaltung waren unter anderem Chancen und Grenzen der Digitalisierung, Berufspolitische Bedeutung der Digitalisierung für die Pflege, Möglichkeiten zur Vernetzung bis hin zu Datenschutz und Haftung. Dabei sollen mehr als 100 Teilnehmer mit den Referenten die aktuellen Herausforderungen und die Umsetzung des PFL-EX Projekts diskutiert haben.

Nachfolgend sind für 2020 die sogenannten „Technologietage“ in den teilnehmenden Pflegeeinrichtungen vorgesehen, um die passenden Technologien für den Einsatz und die Auswertung auszuwählen. Diese werden dann im ersten Halbjahr in der „Experimentierraumphase“ praktisch getestet. Auch hierbei sind vor allem die Bedürfnisse der Pflegekräfte einstscheidend. Es geht darum die Technologien, die das Personal für ihre Arbeit für sinnvoll hält, praktisch zu testen. Im Rahmen der Testphase wird arbeitswissenschaftlich anlaysiert wie das Pflegepersonal die Technologien einsetzt, welche Fragen und Probleme auftreten und wie sie gelöst werden.

Wird positiv aufgenommen

Im Zuge eines anderen digitalen Projekts, stellte das Kreisalthenheim Amorbach fest, dass digitale Systeme positiv aufgenommen werden und den Alltag in der Pflege bereichern. Dort wird seit etwa einem Jahr das System „MemoMoto“ verwendet. Mit diesem System können die Bewohner mit einem digitalen Fahrrad ihre bekannten Strecken der Region abfahren. Da die Bewohner dabei die Begleitung durch die Pflegekräfte wünschen, erweitert und unterstützt das System die Angebote der Einrichtung ohne das Pflegepersonal dabei zu ersetzten.

„Die Einführung und Nutzung digitaler Technologien sind kein Selbstläufer, sie müssen immer durch Schulung und andere einführende Angebote vorbereitet werden. Außerdem müssen sich Beschäftigte und Geschäftsführung darüber im Klaren sein, dass jede neue Technologie auch Arbeitsabläufe und Aufgabenorganisation verändert und in Routinen eingreift. Ein Beispiel hierfür ist das System MemoMoto, das seit einem Jahr im Kreisaltenheim Amorbach eingesetzt wird. Es wurde zwar von allen Seiten positiv aufgenommen und bereichert den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner. Es bedarf aber der personellen Unterstützung durch die Pflegekräfte oder Sozialbetreuerinnen. Die Strategie zur Einführung neuer digitaler Technologien und solche Anpassungs- und Veränderungsprozesse sind Thema im Projekt PFL-EX“, so die Projektpartnerin Christine Becker, Salutoconsult.

Das zeigt sich auch bei anderen Technolgien, die dort im Rahmen des PFL-EX Projektes gestestet werden. Ein wichtiger Punkt sei, dass das Personal und auch die Bewohner mit in die Entscheidung über die Anschaffung neuer Technologien mit einbezogen werden. Die stellvertretende Leiterin des Pflegedienstes im Kreisaltenheim Amorbach meldet : „Die Pfleg ist im Wandel und auf diesem Weg ist es ganz wichtig sie in den Wandel mit einzubeziehen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass Bewohner sehr neugierig sind dauf die 'neue mediale und digitale Welt'“.

Der Fokus des PFL-Ex Projektes liegt darauf physische und psychische Belastungen im Alltag des Pflegebereiches zu reduzieren und die Arbeit und Ausbildung attraktiver zu machen. Im Zentrum stehen dabei die Beschäftigten und die Arbeitsprozesse und nicht die Technologien. „Digitale Technologien haben das Potenzial, Pflegekräfte zu entlasten, sodass sie wieder mehr Zeit für ihre Kernaufgabe – die Pflege von Menschen – haben. Wenn Technologien sinnvoll entwickelt und mitarbeiterorientiert eingesetzt werden, profitieren Pflegekräfte und Pflegebedürftige gleichermaßen“, so die Projektleiterin "PFL-EX" Dr. Vanessa Kubek, Institut für Technologie und Arbeit (ITA) e. V.

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