D21-Digital-Index 2020 / 2021 Digitale Spaltung bleibt ein Problem

Autor: Manfred Klein

Die Initiative D21 hat ihren aktuellen Digital-Index vorgelegt. die Studie zeigt – auch wenn die Corona-Krise als Digitalisierungsbeschleuniger gilt –, dass gerade in den Bereichen Bildung und Gesundheitswesen noch vieles im Argen liegt.

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Digitale Teilhabe über alle Generationen hinweg – das ist leider immer noch die Ausnahme. Im Gegenteil, die digitale Spaltung könnte sich sogar vertiefen, da die gut ausgebildeten Teile der jungen Generation andere Bevölkerungsschichten weit hinter sich lassen
Digitale Teilhabe über alle Generationen hinweg – das ist leider immer noch die Ausnahme. Im Gegenteil, die digitale Spaltung könnte sich sogar vertiefen, da die gut ausgebildeten Teile der jungen Generation andere Bevölkerungsschichten weit hinter sich lassen
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So kritisiert die Studie, dass die Digitalisierung in den Bereichen Arbeit und Schule bisher noch wenig Fuß gefasst hat. Auch wenn der Trend in der Arbeitswelt deutlich positiv ausfalle. In der Arbeitswelt zeigten sich bei Bürotätigkeiten deutliche Sprünge in der Nutzung von Homeoffice und mobilem Arbeiten (+17 Prozentpunkte auf 32 Prozent aller Berufstätigen). Besonders die Ausstattung mit Kollaborationstools oder Videokonferenztools nahm deutlich zu (+17 Prozentpunkte auf 33 Prozent bzw. +15 Prozentpunkte auf 26 Prozent).

Beim digitalen Unterricht berichten, laut Studie, zwei Drittel (68 Prozent) der Beteiligten (Lehrkräfte, SchülerInnen, Eltern) von Hürden. Am häufigsten nannten die Befragten uneinheitliches Vorgehen (42 Prozent), mangelnde Hardware oder Internetausstattung waren für 16 beziehungsweise 14 Prozent ein Problem, wobei Lehrkräfte dem überdurchschnittlich oft zustimmten. Die Offenheit für mehr Digitalisierung des Schulunterrichts und für verbindliche Fortbildungen für Lehrkräfte ist in der gesamten Bevölkerung sehr hoch (74 bzw. 78 Prozent). 60 Prozent glauben, dass die Corona-Situation Ungerechtigkeiten in der Bildung verschärft. Nur 32 Prozent haben Zutrauen in die Schulen beim Vermitteln der benötigten Digitalfähigkeiten, ein Rückgang um 4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

Trotz Corona: Digitaler Austausch mit Ärzten bleibt Randphänomen

Auch bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen – ein Bereich auf den die Autoren der Studie in diesmal einen Schwerpunkt gelegt hatten – fallen die Ergebnisse durchwachsen aus. So sei die Bereitschaft, sich per Videosprechstunde behandeln zu lassen, auf 34 Prozent angestiegen, was einem plus acht Prozentpunkte entspräche. Allerdings betreffe dies vor allem für Menschen in jüngerem und mittlerem Alter zu.

Diese prinzipielle Bereitschaft steht aber im Widerspruch zur tatsächlichen Nutzung. Dazu heißt es in der Studie: „Die tatsächliche Nutzung ist allerdings noch sehr gering: Nur fünf Prozent derjenigen, die während der Corona-Zeit einen Kontakt mit medizinischem Personal hatten, der nicht vor Ort stattfand, nutzten dafür eine Videosprechstunde.“

Und nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) vertrauten bei der Nutzung von Gesundheitsanwendungen auf die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen.

Insgesamt wünscht sich laut Studie ein Drittel der Bevölkerung (32 Prozent) eine stärkere Digitalisierung des Gesundheitswesens (Jüngere deutlich häufiger als Ältere). 23 Prozent gaben an, dass sich ihre Aufgeschlossenheit gegenüber der Digitalisierung im Gesundheitswesen durch Corona erhöht hat. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) befürchten allerdings auch, durch mehr Verlagerung von Gesundheitsangelegenheiten auf das Internet, von einigen Versorgungen abgeschnitten zu werden.

Digitalisierungsgrad der Bevölkerung erreicht neuen Höchststand

Insgesamt verschoben sich der Studie zufolge im Corona-Jahr 2020 viele private und berufliche Aktivitäten in den digitalen Raum. Das Fazit der Autoren: „Die deutsche Gesellschaft ist digitaler als je zuvor – doch nicht alle profitieren gleichermaßen.“ So machen die Autoren denn auch beim aktuellen Digital-Index die digitale Spaltung als eine der zentralen Herausforderungen aus. „Ältere, niedrig Gebildete und Nichtberufstätige profitieren weniger von Digitalisierung“, heißt es dazu.

Mit einem Index-Wert von 60 Punkten weise die deutsche Gesellschaft insgesamt ein mittleres Digitalisierungsniveau auf. Zwar steige der Anteil der Bürgerinnen und Bürger, die beim digitalen Wandel mithalten könnten, beziehungsweise sich souverän und fortschrittlich darin bewegen könnten. Doch es blieben verschiedene digitale Spaltungen erkennbar und die Studie zeige einmal mehr die Heterogenität der Digitalen Gesellschaft auf.

Die Generation 14-29 Jahre weise mit 73 Index-Punkten einen hohen Digitalisierungswert auf, die Generation der über 70-Jährigen habe dagegen nur einen Index von 36. Nichtberufstätige verfügen mit 48 Index-Punkten über einen deutlich niedrigeren Wert als Berufstätige mit einem Index von 69. Formal niedrig Gebildete (42) und Menschen mit Nettoeinkommen unter 2.000 Euro (46) lägen ebenfalls unter dem Bundesdurchschnitt von 60.

Befragt, ob man glaube, persönlich von der Digitalisierung zu profitieren, zeigen sich laut Studie ebenfalls deutliche Unterschiede: Besonders die Jungen und gut Gebildeten fühlten sich als Gewinner der Digitalisierung: So profitieren nach eigenen Angaben 79 Prozent der 20-29-Jährigen von der Digitalisierung, noch knapp die Hälfte (49 Prozent) der 60-69-Jährigen, aber nur noch 22 Prozent der über 70-Jährigen. Drei Viertel der höher Gebildeten sähen sich als Gewinner (74 Prozent), von den Menschen mit mittlerer Bildung etwa die Hälfte (53 Prozent) und von den formal niedrig Gebildeten nur noch ein Drittel (32 Prozent). Unter den Berufstätigen glaubten 66 Prozent, von der Digitalisierung zu profitieren (Berufstätige mit Bürotätigkeit: 78 Prozent), von den Nichtberufstätigen seien es 41 Prozent.

„Einige Gruppen profitieren stark von der Digitalisierung, andere noch nicht. Dieser digitalen Spaltung müssen wir entgegenwirken“, sagt Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21. „Als Technologie-Nation werden wir künftig noch stärker auf Digitalisierung setzen und sie wird weiter an Geschwindigkeit gewinnen – sei es in der Arbeitswelt, im Gesundheitswesen oder im Alltag. Dafür braucht Deutschland dringend eine Digitale-Kompetenz-Agenda, sowohl für den beruflichen als auch den privaten Bereich. Unsere Erhebungen zeigen vor allem großen Unterstützungsbedarf bei den niedrig Gebildeten, Nichtberufstätigen und bei den älteren Generationen über 70 Jahren.“

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