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ZVEI zur individualisierten Gesundheitsversorgung Digital Health – Wo fangen wir an mit der Digitalisierung?

Autor / Redakteur: Hans-Peter Bursig / Manfred Klein

Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, wie wenig das deutsche Gesundheitssystem digitalisiert ist. Deshalb wird jetzt von vielen Seiten gefordert, die Digitalisierung zügig voranzutreiben und schnelle Fortschritte zu machen. Es geht dabei sowohl darum, für eine neue mögliche Pandemie gerüstet zu sein, als auch die absehbaren Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu meistern.

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Alle reden von der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Doch was bedeutet das? Unser Autor versucht eine Antwort
Alle reden von der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Doch was bedeutet das? Unser Autor versucht eine Antwort
(© wsf-f – stock.adobe.com)

Aber was genau bedeutet Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft? Videosprechstunde statt Arztbesuch? Eine App auf dem Smartphone statt Patiententagebuch aus Papier? Und: Wie weit sind wir in Deutschland eigentlich schon?

Vor etwa zwei Jahren hat die Bertelsmann-Stiftung eine internationale Vergleichsstudie zum Stand der Digitalisierung der Gesundheitssysteme in verschiedenen Ländern vorgestellt – den Digital Health Index. Deutschland belegte in dieser Studie Platz 16 von 17 untersuchten Ländern – blamabel.

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Und in der Corona-Pandemie musste sich das Robert-Koch-Institut darüber beklagen, dass die lokalen Gesundheitsämter die Meldungen über neue Infektionen mit dem SARS-CoV2-Virus noch per Telefax einsenden würden.

Die Pandemie hat aber auch gezeigt, wie schnell in Deutschland digitale Infrastrukturen aufgebaut werden können:

  • In sehr kurzer Zeit wurde ein – auch international beachtetes – bundesweites elektronisches Register der verfügbaren Betten in Intensivstationen deutscher Krankenhäuser aufgebaut sowie die Corona-Warn-App entwickelt und verfügbar gemacht.
  • Seit Anfang Oktober hat das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) das Verzeichnis „digitaler Gesundheitsanwendungen“ (DiGA) online gestellt und auch die ersten DiGA aufgelistet. Diese können Ärzte nun im Rahmen von Behandlungen ihren Patienten verschreiben. Die Kosten gehen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
  • Zu Beginn des nächsten Jahres wird außerdem jeder Versicherte der GKV über seine Krankenkasse die Möglichkeit erhalten, eine „elektronische Patientenakte“ (ePA) führen zu lassen.

Es fehlt also nicht an der Fähigkeit zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft. Die Frage ist, ob diese einzelnen Schritte den von vielen ersehnten Durchbruch bringen.

Weißer Fleck auf der Landkarte der Digitalisierung?

Es entsteht vielleicht der Eindruck, dass der Gesundheitsbereich ein weißer Fleck auf der Landkarte der Digitalisierung ist. Das ist aber so nicht richtig: Die Digitalisierung spielt in der Gesundheitswirtschaft schon seit über 30 Jahren eine immer größer werdende Rolle.

Seit mindestens 25 Jahren werden Röntgenbilder nicht mehr auf Röntgenfilm-Blätter belichtet und an einem Leuchtkasten befundet. Das geschieht an Monitoren mit der Möglichkeit einer umfassenden Bildnachbearbeitung. Röntgenbilder können digital mit Anmerkungen versehen und elektronisch versandt werden. Und KI-basierte Zusatzprogramme sind in der Lage den Arzt auf auffällige Stellen in einem Bild aufmerksam zu machen und einen Vorschlag zur Bewertung zu machen.

Jeder Mediziner ist sich bewusst, dass Daten und Messwerte die Grundlage für Diagnose und Therapie sind. Auf der Intensivstation überwacht ein Patientenmonitor eine ganze Zahl von Vitalparametern für jeden einzelnen Patienten. Die Daten aller Patienten einer Station laufen in einer Überwachungszentrale zusammen und werden dort zentral beobachtet. Dabei helfen Patientendaten-Management-Systeme.

In vielen Krankenhäusern sind abteilungsbezogene „klinische Informationssysteme“ installiert, welche die Daten aus verschiedenen Quellen elektronisch erfassen und für die medizinische Versorgung verfügbar machen. Diese Systeme sind derzeit aber in der Regel auf bestimmte medizinische Fachgebiete bzw. einzelne Abteilungen im Krankenhaus ausgerichtet.

Die Gesundheitswirtschaft und -versorgung ist also digitaler als man zunächst vermutet. Das Problem ist: Es handelt sich um Inseln, nicht um ein digitales Ökosystem. Der „digitale Reifegrad“, verstanden als durchgehende Verfügbarkeit und Nutzung von Daten während der gesamten Behandlung, ist noch sehr gering.

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