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Bayern „Die Digitalisierung in den Bereichen Gesundheit und Pflege eröffnet große Chancen“

| Autor: Julia Mutzbauer

Bayerns Gesundheitsministerin Melani Huml fordert, dass die Digitalisierung zum Wohle der Patienten genutzt wird. Huml setzt dabei auf den datenbasierten Ansatz der „Personalisierten Medizin“, die durch ein Projekt des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege seit 2018 gefördert wird.

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Im Rahmen von „DigiMed Bayern“ werden Datensätze von Patienten, bei denen atherosklerotische Erkrankungen wie eine koronare Herzerkrankung, ein Schlaganfall oder genetische Risikofaktoren diagnostiziert wurden, mithilfe von digitalen Technologien ausgewertet
Im Rahmen von „DigiMed Bayern“ werden Datensätze von Patienten, bei denen atherosklerotische Erkrankungen wie eine koronare Herzerkrankung, ein Schlaganfall oder genetische Risikofaktoren diagnostiziert wurden, mithilfe von digitalen Technologien ausgewertet
(© Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com)

Anlässlich des ersten ersten Symposiums des Projekts „DigiMed Bayern“, das 2018 startete, sagte Huml: „Es gilt, jetzt die Möglichkeiten der modernen Technik zum Wohl der Patientinnen und Patienten zu nutzen. Der datenbasierte Ansatz der ‚Personalisierten Medizin‘ lässt einen Quantensprung im Verständnis von Krankheiten erwarten. Deshalb fördern wir das Projekt ‚DigiMed Bayern‘ mit einer zweistelligen Millionensumme.“

Auch im Zuge einer Veranstaltung der Siemens Healthineers AG zur digitalen Gesundheit in Brüssel sprach sich die Ministerin für die Nutzung von neuen Technologien aus: „Die Digitalisierung in den Bereichen Gesundheit und Pflege eröffnet uns große Chancen – in Bayern, Deutschland und Europa. Ziel muss es sein, die Digitalisierung europaweit bestmöglich und sektorenübergreifend – also auch in der Pflege – für die medizinische Versorgung der Menschen zu nutzen.“

Huml erklärte: „Mit ‚DigiMed Bayern‘ fördern wir ein Leuchtturm-Projekt der Personalisierten Medizin – am Beispiel der Volkskrankheit Atherosklerose. Dabei wollen wir medizinische Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen und mithilfe von digitalen Technologien auswerten. Es besteht die begründete Hoffnung, dass wir mit den Ergebnissen von ‚DigiMed Bayern‘ die Anzahl von Herzinfarkten oder Schlaganfällen spürbar verringern können“.

Das Ministerium gibt an, dass die Atherosklerose die häufigste krankheitsbedingte Todesursache in Bayern sei. Unter der wissenschaftlichen Leitung des Deutschen Herzzentrums München wird untersucht, wie Patienten im Rahmen ihrer Behandlung von medizinischen Daten profitieren könnten, die neu erhoben werden oder bereits aus Studien und weiteren Datenquellen vorliegen.

„Viele Menschen haben in ihrem Familien- oder Bekanntenkreis schon erleben müssen, was ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall für gravierende Folgen haben kann. Die Erkenntnisse aus ‚DigiMed Bayern‘ sollen die Zahl von schweren und im schlimmsten Fall tödlichen Verläufen nachhaltig senken. Das ist ein großes Ziel. ‚DigiMed Bayern‘ leistet damit Pionierarbeit bei der Etablierung des Ansatzes der Personalisierten Medizin in Bayern“, so die Gesundheitsministerin.

Huml weiter: „Mit Projekten wie ‚DigiMed Bayern‘ gestalten wir aktiv den digitalen Wandel. Die Digitalisierung eröffnet uns neue Wege, die gesundheitliche Versorgung der Menschen nachhaltig zu verbessern. Die Prävention kann gestärkt, Diagnosen können verlässlicher gestellt, Doppeluntersuchungen vermieden und die Therapie präzisiert werden.“ Nach eigenen Angaben investiert die Bayerische Staatsregierung mit dem Programm „BAYERN DIGITAL“ bis 2022 rund sechs Milliarden Euro in Digitalisierungsprojekte, insbesondere auch in den Bereichen Gesundheit und Pflege. „Mit unserer Zukunftsstrategie ‚BAYERN DIGITAL‘ wollen wir Bayern zu einem weltweiten Spitzen-Standort für digitale Medizin und Pflege machen“, erläuterte Huml.

“Datenschutz darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein“

Zusätzlich will sich Huml dafür einsetzen, dass der Datenschutz digitaler Gesundheitsdaten bei europaweiter Nutzung gewährleistet bleibt. „Bei allen Chancen hat die moderne Technik auch Risiken – etwa beim Datenschutz. Denn hier geht es um hochsensible Gesundheitsdaten. Für mich ist klar: Der Datenschutz darf bei digitalen Gesundheitsdaten nicht nur ein Lippenbekenntnis sein, sondern muss sehr ernst genommen werden“, so Huml.

Die bayerische Ministerin wies darauf hin, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eigens für Gesundheitsdaten einen europäischen „Code of Conduct“ fordern würde. „Denn aktuell stehen wir vor dem Problem, dass Daten deutscher und europäischer Patienten häufig auf amerikanischen Servern gespeichert werden. Nach meiner Ansicht sollte angestrebt werden, dafür deutsche oder europäische Server zu nehmen“, erläuterte Huml. „Wir müssen einen Datenschutz gewährleisten, der seinen Namen verdient. Nur dann werden wir die Menschen auf dem Weg der Digitalisierung mitnehmen und sie dazu bringen, die neuen Möglichkeiten in der praktischen Behandlung zu akzeptieren“, so Huml weiter.

In Bezug auf das Thema Künstliche Intelligenz erklärte Huml: „Dass gerade auf die KI solche Hoffnungen gesetzt werden, liegt auch daran, dass wir es in der Medizin mit rasant wachsenden Datenmengen zu tun haben. Dabei wird die KI den Arzt zwar nicht ersetzen. Sie kann ihn aber vor allem bei wiederkehrenden Standardaufgaben entlasten und ihm somit mehr Zeit für die Patienten verschaffen“.

„Bündnis für generalistische Pflegeausbildung“ wächst

Ein weiteres Thema, das für die bayerische Gesundheitsministerin eine entscheidende Rolle spielt, ist, mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen. Dabei setzt Huml auf die generalistische Pflegeausbildung, die nach dem neuen Pflegegesetz ab Januar 2020 eingeführt wird. „Es ist wichtig, mehr junge Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen. Dazu wird die im nächsten Jahr startende generalistische Pflegeausbildung beitragen. Denn sie bietet zahlreiche Verbesserungen wie eine Modernisierung der Ausbildungsinhalte und mehr Praxisanleitung“, so Huml. Für eine erfolgreiche Umsetzung hat die Ministerin das „Bündnis für generalistische Pflegeausbildung“ ins Leben gerufen. Das Gesundheitsministerium gibt an, dass an dem Bündnis – neben dem bayerischen Kultusministerium, dem Wissenschaftsministerium und dem Sozialministerium – mittlerweile 54 Ausbildungsträger, Institutionen und Verbände aus ganz Bayern beteiligt seien.

Ziel sei es, über Sektoren und Trägergrenzen hinweg vertrauensvoll zusammenzuwirken. „Um das Pflegeberufegesetz ab dem Januar 2020 erfolgreich umzusetzen, sind alle Akteure gefragt. Ich freue mich daher, dass wir für das Bündnis nun weitere Partner aus den Bereichen Pädiatrie, Behindertenhilfe und Kindertagesstätten gewinnen konnten. Auch sie werden sich dafür einsetzen, dass ausreichend Plätze für die praktische und schulische Ausbildung zur Verfügung stehen.“

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