„Cloudbasierte Digitalisierung sensibler Patientendaten ist ein Irrweg“ Deutsche Psychotherapeuten warnen vor der Cloud

Autor / Redakteur: Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Daten von 500.000 Franzosen geklaut und veröffentlicht – der Vorsitzende des DPNW wettert deshalb gegen die Digitalisierung von Patientendaten.

Ein schwerer Fall von Datendiebstahl in Frankreich hat deutsche Psychotherapeuten aufgeschreckt.
Ein schwerer Fall von Datendiebstahl in Frankreich hat deutsche Psychotherapeuten aufgeschreckt.
(Bild: gemeinfrei© Gerd Altmann / Pixabay )

Ein schwerer Fall von Datendiebstahl in Frankreich hat deutsche Psychotherapeuten aufgeschreckt. Dem französischen Ableger des auf Software im Gesundheitswesen spezialisierten Unternehmens Dedalus wurden laut den Berichten 491.840 Datensätze entwendet, inklusive Namen, Postadresse, Telefonnummer, eMail-Accounts und der Sozialversicherungsnummer. Zum Teil gingen aus den Dateien auch Angaben zum Gesundheitszustand, Medikationen, Schwangerschaften und Krankheiten – wie einer HIV-Positiv-Diagnose – hervor.

Den Untersuchungen der Tageszeitung „Liberation“ zufolge stammen die Daten aus etwas dreißig medizinisch-biologischen Laboren im Nordwesten Frankreichs, die die gleiche Software zur Eingabe von medizinischen Informationen nutzen. Laut Liberation wurden die gehackten Proben zwischen 2015 und 2020 aufgenommen.

Dieter Adler, Vorsitzender des „Deutschen Psychotherapeuten Netzwerkes - Kollegennetzwerk Psychotherapie“ (DPNW), warnt daher dringend vor der Digitalisierung von Patientendaten: „Wieder mal haben wir hier ein unrühmliches Beispiel dafür, dass Patientendaten einfach nichts auf fremden Servern, in einer Cloud oder online zu suchen haben. Wann reift endlich die Erkenntnis bei unseren Gesundheitspolitikern, dass sie auf dem falschen Weg sind?“

Er legt nach: „Wie viele Beispiele braucht es noch, um Spahn und Co. zur Umkehr zu bewegen? Wir appellieren nach wie vor an den gesunden Menschenverstand: Lasst die Finger weg von der cloudbasierten Digitalisierung sensibler Patientendaten! Das ist ein Irrweg, der uns alle ins medizinische Unglück stürzt.“

Der DPNW ist nach eigenen Angaben der drittgrößte Berufsverband im Bereich Psychotherapie. Er wurde am 2019 in Bonn gegründet und hat 1.700 Mitglieder.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei www.cloudcomputing-insider.de.

(ID:47318165)