Digitalisierung Deutliche Unterschiede zwischen Klinik- und Praxis-Ärzten

Autor: Susanne Ehneß

Deutschlands Ärzteschaft ist gespalten, wenn es um den Einsatz digitaler Technologien im medizinischen Alltag geht. Worin die Unterschiede bestehen, hat der Bitkom herausgefunden.

Videosprechstunden werden deutlich stärker genutzt – auch in Kliniken
Videosprechstunden werden deutlich stärker genutzt – auch in Kliniken
(© daniilvolkov - stock.adobe.com)

500 Ärzte hat der Digitalverband Bitkom gemeinsam mit dem Ärzteverband Hartmannbund nach Chancen und Risiken der Digitalisierung gefragt, und das Ergebnis ergab laut Bitkom-Präsident Achim Berg einen „deutlichen Unterschied“ zwischen Kliniken und Praxen.

Laut Umfrage erkennen 86 Prozent der Klinik-Ärzte in der Digitalisierung primär Chancen für das Gesundheitswesen, nur 10 Prozent halten die Digitalisierung für ein Risiko. Bei den Praxis-Ärzten betonen lediglich 53 Prozent die Chancen – und 39 Prozent die Gefahren. Zugleich wünschen sich vor allem Klinik-Ärzte, dass es bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens schneller vorangeht: 82 Prozent der Mediziner in Krankenhäusern sagen, es sei mehr Tempo beim Ausbau digitaler Angebote nötig. Unter den Praxis-Ärzten sind es lediglich 38 Prozent.

Die Gründe für diese Kluft sieht Achim Berg zum einen in den Kosten: Ärzte mit eigener Praxis tragen die Kosten der Digitalisierungskosten selbst. Parallel seien Klinik-Ärzte, gerade die Assistenzärzte, oft jünger und damit aufgeschlossener als ihre niedergelassenen Kollegen.

Alle Ergebnisse im Überblick:

Bildergalerie
Bildergalerie mit 12 Bildern

Corona-Zwischenbilanz

Einigkeit herrscht hingegen bei den Kompetenzen im Zuge der Corona-Pandemie. Sowohl Klinik- als auch Praxis-Ärzte sind mehrheitlich der Meinung, dass das deutsche Gesundheitssystem gut aufgestellt sei. Diese positive Zwischenbilanz kontert der Bitkom mit Schwachstellen. „Dazu zählen die Nachverfolgung von Infektionsketten, die Information potenziell Infizierter oder jetzt die Terminvergabe bei der Schutzimpfung. Zettelwirtschaft, analoge Prozesse und hohe Datenschutzhürden sorgen noch immer für Verzögerungen, unnötigen Mehraufwand und Informationsdefizite“, moniert Achim Berg.

Telefon, Fax, Brief kontra ePA

Diese „Zettelwirtschaft“ zeigt sich auch darin, dass laut Umfrage immerhin noch 22 Prozent der Arztpraxen und 14 Prozent der Apotheken das gute alte Faxgerät benutzen. Lediglich jeder 20. Arzt kommuniziert überwiegend via eMail mit anderen Praxen, Apotheken oder den Patienten. Der Liebling unter den Kommunikationsmitteln ist das Telefon, es ist der wichtigste Kanal im Austausch mit Patienten (77 Prozent), Apotheken (61 Prozent) und Praxen (53 Prozent). Jeder fünfte Arzt (19 Prozent) hält den Kontakt zu Arztpraxen überwiegend per Briefpost.

Dennoch schreitet die Digitalisierung innerhalb der Praxen und Kliniken voran. Jeder zweite Arzt (50 Prozent) erstellt Medikationspläne überwiegend digital. Eine digitale Patientenakte ist bereits bei 66 Prozent im Einsatz – 31 Prozent bewahren die Akten noch abgeheftet in Schränken oder Regalen auf. 61 Prozent verwalten eigene Notizen und Dokumentationen digital – und 37 Prozent analog.

Der größte Vorteil einer elektronischen Patientenakte (ePA) ist für satte 89 Prozent der befragten Klinik-Ärzte die einfachere Zusammenarbeit mit anderen Ärzten. Aber nur 54 Prozent der niedergelassenen Mediziner sahen hierin einen Vorteil – für Achim Berg „überraschend“. Auch hinsichtlich Transparenz, verbesserter Medikation und Therapie sowie der Möglichkeit einer ganzheitlichen Behandlung sind Klinik-Ärzte deutlich optimistischer, was die Chancen durch die ePA betrifft.

Vergütung anpassen

Im Zuge der Corona-Pandemie erleben Videosprechstunden einen Boom. So bieten 17 Prozent der Praxis-Ärzte Video-Sprechstunden an: 6 Prozent taten dies bereits vor Corona, 11 Prozent haben damit während Corona begonnen. Weitere 40 Prozent können sich dies für die Zukunft vorstellen. Bei den Klinikärzten sind sogar drei Viertel (73 Prozent) bereit, künftig auch Videosprechstunden anzubieten – 4 Prozent tun dies seit Corona.

Ein weiterer Grund für diese Akzeptanz ist sicherlich die angepasste Vergütung. Diese Regelung wurde jüngst bis Ende März verlängert und sollte nach Meinung von Achim Berg am besten beibehalten werden.

(ID:47108779)