Spahn gibt Startschuss Der digitale Impfausweis kommt

Redakteur: Manfred Klein

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat heute auf der Bundespressekonferenz den schrittweisen Rollout des digitalen Impfnachweises angekündigt. Genutzt werden kann der Impfnachweis zum einen in der Corona-Warn-App und mit der neuen CovPass-App. Schon ab kommenden Montag sollen Apotheken die ersten Nachweise ausstellen.

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Der digitale Impfnachweis kommt
Der digitale Impfnachweis kommt
(© Bihlmayer Fotografie – stock.adobe.com)

Spahn erklärte dazu auf der Pressekonferenz: „Schritt für Schritt werden sich jetzt Impfzentren, Arztpraxen sowie Apotheken an das System anschließen, um europäisch interoperable Impfbescheinigungen ausstellen zu können.“

Und Roland Fritz, CovPass-Projektmananger bei IBM, ergänzte: Die Anwendung sei einfach zu bedienen. Bürgerinnen und Bürger könnten den QR-Code, den sie nach der Impfung erhalten, mit der App abfotografieren und dort abspeichern. Die App prüfe dann, ob der Impfschutz vollständig sei. Neben der App für die Bürgerinnen und Bürger stehe eine Prüfapp zur Verfügung – die CovPassCheck-App. Damit ließen sich die Zertifikate einlesen, zum Beispiel am Flughafen.

Inzwischen gibt es auch erste öffentliche Reaktionen zum Impfnachweis. So erklärte der Branchneverband Bitkom: „Mit der raschen Einführung der CovPass-App rechtzeitig vor den Sommerferien hat die Bundesregierung in der Corona-Pandemie doch noch einen digitalen Sprint hingelegt. Insbesondere für Reisende, aber auch für alle Menschen, die wieder in Restaurants, zu Kulturveranstaltungen oder einkaufen gehen wollen, ist das eine große Erleichterung.“

Weiter heißt es: „Auch wenn andere Länder bereits schneller waren: Die Smartphone-App für das digitale Impfzertifikat ist da – und dafür gebührt allen Beteiligten Lob. Wichtig ist jetzt, dass die Übertragung des Impfstatus‘ unkompliziert erfolgen kann – an möglichst vielen Orten und ohne lange Schlangen vor Apotheken und später auch Arztpraxen und Impfzentren. Ein rein digitaler Weg fehlt allerdings und wäre eine deutliche Entlastung gewesen – etwa mit einem Online-Portal, auf dem anhand von Chargennummer, Name, Geburtsdatum und Impfdatum das Zertifikat beantragt werden kann. Eine solche Variante sollte künftig noch zur Verfügung gestellt werden. Am digitalen Impfzertifikat haben sehr viele Menschen Interesse: Unter denjenigen, die ein Smartphone besitzen und sich grundsätzlich impfen lassen wollen, sagen 75 Prozent, dass sie das digitale Impfzertifikat nutzen wollen, wie wir in einer Bitkom-Umfrage im Mai herausgefunden haben. Ihnen muss der Download des digitalen Impfzertifikats in die CovPass-App nun schnell und unbürokratisch ermöglicht werden.“

Und auch beim Bundesverband Gesundheits-IT bewertet man den Vorstoß positiv: „Der digitale Impfnachweis bringt uns ein weiteres Stück Freiheit zurück. Derzeit arbeiten die Praxisverwaltungssystem-Hersteller mit Hochdruck an der Umsetzung und wir gehen davon aus, dass mit dem nächsten Update bis Anfang Juli die entsprechende Funktion zur Verfügung stehen wird und dann in den in den Arztpraxen eingesetzt werden kann. Alle Anbieter, die sich am Open-House-Verfahren beteiligen, werden die Funktion ihren Kundinnen und Kunden anbieten. Indem die Nachweise über die gewohnten Prozesse ausgestellt werden können, wird der Aufwand für die Arztpraxen minimiert. Wir freuen uns, damit einen Beitrag zur Entlastung der derzeit stark unter Druck stehenden Arztpraxen leisten zu können.“

Allerdings wirft das neue digitale Dokument auch einige Fragen auf. Die Kollegen von der Deutschen Presseagentur (dpa) haben Antworten zu den wichtigsten Fragen zusammengetragen:

Was ist der digitale Impfnachweis?

Der Nachweis ist eine zusätzliche Möglichkeit, seinen Impfstatus zu dokumentieren. Geimpfte können damit – zusätzlich zum gelben Impfpass aus Papier – ihren Status sowie Impfdaten und Impfstoffe auf ihrem Smartphone speichern. Dabei handelt es sich um ein ausgedrucktes Dokument mit einem QR-Code oder Barcode. Über diesen wird das Zertifikat in geeignete Apps importiert.

Welche Vorteile bietet mir das?

Grundsätzlich alle, die auch eine Impfbescheinigung oder ein Impfpass mit entsprechenden Einträgen liefert - zum Beispiel die Befreiung von eventuellen Testpflichten oder Quarantänevorgaben. Außerdem erspart der digitale Nachweis das Mitführen des gelben Heftchens oder der noch größeren DDR-Impfbücher. Die nehmen so keinen Schaden, und man teilt nicht gleich alle seine Impfungen bei einer Überprüfung mit.

Wer kann den Nachweis kriegen?

Momentan alle vollständig geimpften Personen. Das waren am 10. Juni nach Angaben des Robert Koch-Instituts rund 20 Millionen Menschen in Deutschland und damit circa 24 Prozent der Bevölkerung. Grundsätzlich können sich nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) alle Menschen mit Anspruch auf eine Impfung den Nachweis zusätzlich zum analogen Impfnachweis ausstellen lassen.

Was kostet mich das?

„Das ist vom Ministerium als kostenfreie Leistung aufgesetzt“, sagt ein Sprecher des Deutschen Apothekerverbands. Das gilt für die Geimpften. Ganz kostenlos ist das System aber nicht: Die Apotheken rechnen den Nachweis mit dem öffentlichen Gesundheitssystem ab.

Wo gibt es den Nachweis?

Grundsätzlich soll die Ausstellung dort erfolgen, wo Menschen geimpft worden sind – also in einem Impfzentrum oder in einer Arztpraxis. Er soll nach Angaben des BMG dort generiert werden, so dass Geimpfte ihn in den entsprechenden Apps einfügen können. Wer also künftig geimpft wird, erhält das Dokument vor Ort.

Bereits Geimpfte können sich den Nachweis nachträglich holen, erklärt das BMG – etwa durch Ärzte oder vom 14. Juni an in teilnehmenden Apotheken.

Viele Impfzentren sollen in den kommenden Tagen damit beginnen, bereits Geimpften die Zertifikate postalisch zu schicken. Das geht allerdings nur, wenn diese Daten auch vorliegen. Das ist nicht in allen Impfzentren der Fall. Wer kein Schreiben bekommt, kann den Weg über Apotheke oder Arztpraxis wählen.

Wie finde ich eine ausstellende Apotheke?

Nicht alle, aber viele Apotheken sollen vom Montag an Impfnachweise ausstellen. Welche es am eigenen Wohnort ist, zeigt dann das Online-Portal mein-apothekenmanager.de. Bis dahin lassen sich über das Portal nur Schnelltest-Apotheken finden. Der Deutsche Apothekerverband rechnet damit, dass am Montag zunächst eine begrenzte Anzahl an Apotheken dabei ist. Ein Blick auf das Portal erspart im Zweifel eine vergebliche Tour zur nächsten Apotheke.

Welche Dokumente brauche ich für die Ausstellung?

Wer sich die Impfung erst nachträglich nachweisen lässt, braucht Impfbescheinigung oder Impfpass und einen amtlichen Lichtbildausweis. Nach einer Prüfung der Dokumente wird der Nachweis dann erstellt.

Welche Apps kann ich für den Nachweis nutzen?

Geimpfte haben die Wahl: Sowohl die Corona-Warn-App (CWA) als auch die App CovPass können in der jeweils aktuellen Version per Scan des QR- oder Barcodes auf dem Impfnachweis die Zertifikate speichern. Die Apps speichern den Nachweis lokal auf dem Telefon.

Beide Apps laufen auf allen aktuellen Android- und iOS-Smartphones (Betriebssysteme ab iOS12 oder Android 6). Wer sie nicht installiert hat, erhält sie kostenlos im jeweiligen App Store. In der Funktion des Nachweises unterscheiden sie sich nicht. CovPass hat aber nicht die von manchen abgelehnte Kontaktnachverfolgungs-Funktion der CWA.

Wie läuft eine Überprüfung des Nachweises ab?

Es wird eine Überprüfungs-App für Dienstleister geben. Mit ihr können mittels der Smartphonekamera die Nachweise vom jeweiligen Display gescannt werden. Das läuft dann so ab wie bei Ticket-Kontrollen oder beim Boarding am Flughafen. Um Missbrauch zu vermeiden, werden die Daten eventuell mit einem amtlichen Lichtbildausweis abgeglichen.

Welche Daten werden in dem Nachweis gespeichert?

Das Impfzertifikat enthält laut BMG Informationen zu Impfstatus, Impfdatum, Impfstoff, den Namen und das Geburtsdatum. Die erhobenen Daten werden nur für die Erstellung des Zertifikats gespeichert und anschließend gelöscht. Nach dem Einlesen in die App sind sie nur dort gespeichert. Eine zentrale Speicherung ist nicht vorgesehen. Wie schon beim gelben Impfheft gilt zugleich: Fotos vom digitalen Impfzertifikat in Social Media zu verbreiten ist eine schlechte Idee.

Kann man mehrere Nachweise in einer App speichern?

Nach BMG-Angaben können auch digitale Impfnachweise von Partnerinnen und Partnern sowie Kindern gespeichert werden. Künftig sollen auch Genesenen-Nachweise in den Apps gespeichert werden können, um dadurch eine überstandene Infektion nachzuweisen. Die Zertifikate lassen sich laut der Dokumentation beliebig oft vom Blatt in die App scannen. Man kann sie also auch auf mehreren Telefonen nutzen. Das ist auch praktisch, wenn man mal ein Telefon verliert oder ein neues erhält.

Wird der digitale Nachweis Pflicht?

Nein. Der gelbe Impfausweis und die Bescheinigungen von Impfzentrum oder Impfarzt sind weiter gültig. Wer keinen digitalen Nachweis hat oder ihn nicht haben will, kann weiterhin das gelbe Heft nutzen. Laut BMG handelt es sich um «ein freiwilliges und ergänzendes Angebot».

Kann ich mit dem Ausweis wieder auf Reisen gehen?

Das EU-Parlament hat am Mittwoch grünes Licht für ein europaweit gültiges Impfzertifikat gegeben. Nach Angaben des BMG erfüllt der digitale Impfnachweis die Anforderungen der europäischen Lösung „von vornherein“. Gesundheitsminister Spahn erklärte dazu am Donnerstag: Ziel sei, dass das Zertifikat europaweit ausgelesen werden kann. Das liege aber in der Hand der einzelnen Länder, die für die technische Umsetzung verantwortlich seien.

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