„Gaffen tötet“ Der Code gegen Gaffer

Von Natalie Ziebolz

Gaffen hält nicht nur den Verkehr auf, es behindert auch die Einsatzkräfte und damit die Versorgung der Patienten. Doch wie geht man im Notfall mit diesem Problem am besten um? Immerhin bedarf es, um jeden einzeln der Schaulustigen anzusprechen, mehr Personal. Bei den Johannitern glaubt man, dass QR-Codes die Lösung sein könnten.

Durch die QR-Codes auf den Rettungswagen soll Gaffern ihre Tat bewusstgemacht werden
Durch die QR-Codes auf den Rettungswagen soll Gaffern ihre Tat bewusstgemacht werden
(© Johanniter/Sebastian Späthe)

Kommt es zu einem Unfall, ist schnelle Hilfe gefragt. Immer häufiger werden Rettungskräfte jedoch von Autofahrern und Passanten blockiert, die das beste Video oder Foto von dem Unfall bekommen möchten. Eine Studie von AutoScout24 aus dem Jahr 2020 zeigt etwa, das elf Prozent der Autofahrer kurz vom Gas gehen, um sich das Unfallgeschehen näher anzuschauen. Sechs Prozent verlangsamen das Auto deutlich und weitere fünf Prozent halten sogar extra an. Fotos und Videos machen laut der Umfrage 0,6 Prozent. „Die Umfrage zeigt deutlich, dass die wahren Gaffer zwar eine Minderheit darstellen“, erklärt Jochen Kurz, Director Product bei AutoScout24. „Doch diese Minderheit ist groß genug, um die Mehrheit der anderen Verkehrsteilnehmenden zu gefährden und Rettungskräfte zu behindern. Wer bei Autounfällen gafft, riskiert das Leben anderer – das geht gar nicht!“

QR-Codes gegen Gaffer

Dieser Meinung ist auch die Johanniter-Unfall-Hilfe. Zusammen mit der Kreativagentur Scholz & Friends haben sie daher 30 Einsatzwagen mit einem neuen Design auf Basis der QR-Code-Technologie ausgestattet. Sobald Schaulustige dieses mit ihrem Smartphone abfotografieren, öffnet sich der Warnhinweise „Gaffen tötet!“. Dadurch soll bei den Menschen ein Bewusstsein für ihr falsches Verhalten entstehen – schließlich steht Gaffen seit 1. Januar 2021 unter Strafe. Laut Paragraf 201a des Strafgesetzbuchs müssen die Schaulustigen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen. „Zusätzlich gefährden die fotografierenden oder filmenden Schaulustigen auch ihr eigenes Leben, wenn sie dadurch im Straßenverkehr unaufmerksam werden oder sich für ein ‚gutes Foto’ in den Gefahrenbereich bewegen“, erklärt Kevin Griogorian, Geschäftsbereichsleiter Rettung & Medizinische Dienste bei der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Versuche der Redaktion zeigen jedoch, es gibt noch Nachbesserungsbedarf: Nicht an jedem Smartphone öffnet sich der Hinweis und wenn, muss dieser aktiv angeklickt werden. Das bestätigen auch Kommentare unter einem Youtube-Video in dem die Technologie erklärt wird. „Bei Android funktioniert das nur nicht und auf dem iPhone geht das nur wenn man den Safaribrowser nutzt“, schreibt ein User und führt weiter aus: „Ich hab es mit Oxygen OS 11 probiert. Da geht es nur mit Hilfe von Google Lens. Bei einigen Samsunggeräten der Galaxyreihe geht es auch nur über Bixby. Dann hab ich noch mein älteres Sony hervorgeholt mit Android 9, wo das auch gehen sollte. Da ist das QR lesen hinter einem Zusatzbutton in der Kamerapp versteckt. Geht auch nur mit manueller Auswahl.“

Wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens „Gaffer“

Doch genau um solche Probleme aufzudecken, gibt es den praktischen Test. Darüber hinaus wird das Projekt auch von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaft Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. begleitet. Prof. Marisa Przyrembel und ihre Team wollen dadurch dem Phänomen „Gaffer“ auf die Spuren kommen. Dafür beziehen sie Aspekte der Notfall-, Sozial- und Motivationspsychologie mit ein. Aber auch die Daten der jeweiligen Rettungseinsätze, die Klickdaten, die durch den QR-Code generiert werden, sowie Aussagen des Rettungsdienstpersonals und der Bevölkerung fließen mit ein. Diese werden dann mit den Daten von 43 regulären Einsatzfahrzeugen verglichen.

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