Kommunikation im Gesundheitswesen Defibrillatoren mit 0G-Anbindung retten Leben

Autor / Redakteur: Guillaume Fornas, General Manager of Citycare SAS, und Patrick Cason, General Manager Sigfox France SA / Manfred Klein

In Deutschland sind Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache. Dabei muss gerade ein Herzinfarkt nicht tödlich enden: Je schneller geholfen wird, umso größer sind die Chancen den Infarkt zu überleben. Eine wichtige Aufgabe können automatisierte externe Defibrillatoren, kurz AEDs, übernehmen. Und mit neuen Technologien wie 0G-Netzen sind die lebensrettenden Geräte auch allzeit zum Einsatz bereit.

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Die Überlebenschance kann bei bis zu 75 Prozent liegen, wenn ein Herzinfarkt innerhalb der ersten vier Minuten mit einem AED behandelt wird
Die Überlebenschance kann bei bis zu 75 Prozent liegen, wenn ein Herzinfarkt innerhalb der ersten vier Minuten mit einem AED behandelt wird
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Die Zahlen sind erschreckend: Allein in Deutschland erleiden jedes Jahr rund 280.000 Menschen einen Herzinfarkt, etwa 170.000 sterben daran. Unabhängig von Alter oder Geschlecht – einen Herzinfarkt kann jeder Mensch erleiden. Unbehandelt führt er innerhalb von Minuten zum Tode, etwa die Hälfte aller Infarktpatienten stirbt, bevor sie ein Krankenhaus erreicht hat.

Doch nicht jeder muss daran sterben. Denn: Die Chancen den Infarkt ohne größeren Schaden zu überstehen, sind dann gut, wenn der Patient schnell medizinisch versorgt wird. Dazu gehört selbstverständlich sofort die 112 anzurufen. Doch da Zeit bei einem Infarkt entscheidend ist, sollte die Möglichkeit einer effizienten ersten Hilfe – noch bevor professionelle Hilfe am Unfallort eintreffen kann – gewährleistet sein. Hier sind automatisierte externe Defibrillatoren, kurz AED, ideal. Sie können auch von Laien bedient werden, da sie einfach zu bedienen sind und dem Nutzer Schritt für Schritt erklären, was zu tun ist. Und sie sollten auch eingesetzt werden: Die Überlebenschance kann bei bis zu 75 Prozent liegen, wenn ein Herzinfarkt innerhalb der ersten vier Minuten mit einem AED behandelt wird. Die Chance auf eine erfolgreiche Wiederbelebung liegt bei etwa 55 Prozent, ohne das Gerät sind es nur rund 8 Prozent.

Jeder zweite AED in Deutschland ist schlecht gewartet

Doch bei dem Thema AED hinkt Deutschland hinterher: Während in Frankreich schon seit 2018 gesetzlich geregelt ist, dass solche Defibrillatoren in öffentlichen Gebäuden bereitgestellt werden müssen, gibt es diese Pflicht in der Bundesrepublik weder für öffentliche Gebäude noch für Unternehmen, Schulen oder Kindergärten. Dafür haben sich viele Firmen selbst verpflichtet flächendeckend AEDs zur Verfügung zu stellen und auch an Bahnhöfen findet man sie.

Mittlerweile wird jede Stunde irgendwo in Deutschland ein neuer Defibrillator aufgehängt – von einem Verein, einer Firma, im Fitness-Studio, in einer Apotheke oder Praxis, so beobachtet es der gemeinnützige Verein Definetz. Der Verein hat 33.000 Standorte bundesweit verzeichnet. „Unser Traum ist die engmaschige Abdeckung mit den lebensrettenden Geräten“, sagt Friedrich Nölle, Erster Vorsitzender von Definetz

„Unser Alptraum aber“, so Nölle weiter, ist, dass ein Mensch am plötzlichen Herztod stirb, und es ist sogar ein Defibrilator in der Nähe – aber der funktioniert nicht. Und das ist leider durchaus möglich, denn nach unserer Einschätzung ist die Einsatzbereitschaft der Defibrillatoren in Deutschland völlig unzureichend.“

Zwar muss auch für AEDs spätestens alle zwei Jahre eine sicherheitstechnische Kontrolle durchgeführt werden, aber eine Meldepflicht besteht nicht. Mit fatalen Folgen: Mehr als die Hälfte der Geräte scheint schlecht gewartet, ergab eine Stichprobe des Vereins Definetz. Die Gründe: Unkenntnis, mangelnde Organisation und oft auch Nachlässigkeit sind nur einige der Ursachen.

Dies hat auch die französische Firma Citycare SAS erkannt – und nach einer Möglichkeit gesucht, die für die Kunden möglichst unkompliziert ist. So entwickelte sie einen AEB, der mit Hilfe von GSM-Technologie Daten über den Betriebszustand aus der Ferne abrufbar machte. Dies war zunächst eine effektive Lösung, aber es erwies sich schnell als restriktiv, da die Box weniger als 30 Meter vom Defibrillator entfernt sein musste.

Die Lösung fand das Unternehmen in einem 0G vernetzten AED, der alle wichtigen Vorzügen vereint: einfach zu bedienen, zuverlässig – und vor allem einfach zu warten. Der Vorteil: Der Connected AED testet sich unabhängig von seinem Standort automatisch täglich und sendet über den integrierten Sender eine Kurznachricht, um seinen Betriebszustand zu übermitteln. Auf diese Weise wird im Falle eines Fehlers oder Ausfalls eine Benachrichtigung direkt an den Kunden und die Instandhaltungsteams gesendet, um den AED innerhalb von 24 Stunden auszutauschen. Somit ermöglich das Netz dem Kunden, Informationen über den Status des Geräts zu erhalten, wo immer es sich befindet.

Der Einsatz ist kostengünstig und langlebig

Derzeit ist diese Lösung die erste weltweit, das einen Sender in seinen Defibrillator integriert hat, um tägliche Updates über den Zustand der Geräte zu erhalten. In Frankreich haben sich diese modernen AEBs, die Leben retten können, bereits durchgesetzt: bereits 5.500 Defibrillatoren mit integrierter 0G-Technologie sind dort bereits im Einsatz.

Auch in Deutschland ist die Nutzung solcher Connected AED sofort möglich. Das 0G-Netz ist aktuell in 72 Ländern im Einsatz, in der Bundesrepublik hat es bereits eine Abdeckung von knapp 90 Prozent erreicht (Stand September 2020). Dazu kommt, dass das 0G-Netz öffentlich ist: somit müssen Kunden es nicht – im Vergleich zu alternativen, privat zu errichtenden LPWAN-Netzen, wie etwa LoRaWAN – selbst aufbauen und pflegen. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch günstig: Die damit verbundenen Kosten entfallen entsprechend und es wird einfach pro Gerät abgerechnet.

Beim Thema Kosten hat das 0G-Netz weitere Argumente: Für die Übertragung werden lizenzfreie Frequenzbänder genutzt, entsprechend müssen auf die Kunden nicht die Kosten umgelegt werden, die bei konventionellen Mobilfunknetzen bei der Ersteigerung der 3G/4G/5G-Mobilfunkfrequenzen entstanden sind. Und da das Netz grenzüberschreitend verfügbar ist, entstehen auch keine Roaminggebühren – interessant für Firmen, die im kleinen Grenzverkehr Filialen haben, die sie mit AEBs ausstatten möchten.

Und auch in Sachen Energie ist diese Lösung extrem interessant. Da nur eine Nachricht am Tag versendet wird, erreichen die Batterien des im AED integrierten Senders eine Lebenszeit von mehr als 10 Jahren. Diese Wartungsfreiheit ist ökologisch sinnvoll und dazu ein weiterer entscheidender Kostensenkungsfaktor.

Die nächste Generation bietet zusätzlich eine Geolokalisierung

Für seine zukunftsorientierten Produkte gewann das Unternehmen 2016 und 2018 auf der Messe Préventica zwei Innovationspreise in der Kategorie „Erste Hilfe“ – und es könnte eine dritte Auszeichnung folgen: In diesem Jahr soll ein Defibrillator der nächsten Generation folgen. Er eröffnet die Möglichkeit der Geolokalisierung dieser Geräte. Und diese ist dringend notwendig: Auch wenn der Verein Definetz viele Geräte erfasst hat – nicht alle sind dort auch ortstechnisch vermerkt. Mit Hilfe der neuen Technologie kann im Notfall sofort die Frage „wo ist der nächste automatisierte externe Defibrillator“ beantwortet werden: Über eine App kann der nächstgelegene AEB angezeigt werden – das ermöglicht es bei einem Herzinfarkt zu helfen, während Rettungsdienste unterwegs sind. Und jede Minute zählt ...

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