Cybersicherheit in Gehirn-Computer-Schnittstellenanwendungen Das menschliche Gehirn unhackbar machen

Von Natalie Ziebolz

Mit Brain-Computer-Interfaces können Forscher unter anderem körperliche Defizite ausgleichen. Cochlea-Implantate ermöglichen von Geburt an tauben Menschen beispielsweise das Hören. Je weiter die Technologie fortschreitet, umso größer ist allerdings die Gefahr, das Hacker auch hier Daten abgreifen wollen. Deshalb hat die Cyberagentur ein Rahmenwerk für Cybersicherheit in Gehirn-Computer-Schnittstellenanwendungen beauftragt.

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Ein von Forschenden der Universität Freiburg gegründetes Start-up soll im Auftrag der Cyberagentur ein Rahmenwerk für Cybersicherheit in Gehirn-Computer-Schnittstellenanwendungen erstellen
Ein von Forschenden der Universität Freiburg gegründetes Start-up soll im Auftrag der Cyberagentur ein Rahmenwerk für Cybersicherheit in Gehirn-Computer-Schnittstellenanwendungen erstellen
(© Jacqueline Weber – stock.adobe.com)

Die Kombination von „Gehirn“ und „Hacken“ mag vielleicht im ersten Moment wie Science Fiction klingen, an Brain-Computer-Interfaces wird jedoch bereits seit Jahren geforscht. So versuchen beispielsweise Forscher in den EU-Projekten „More Grasp“ und „Feel your Reach“ Finger-, Hand- und Armbewegungen anhand elektrischer Hirnströme genauer zu analysieren, um mit den Erkenntnissen eine neue Generation von Neuroprothesen zu entwickeln. Wie bei allen vernetzten Anwendungen besteht auch hier das Risiko, dass Kriminelle Sicherheitslücken ausnutzen und Informationen abgreifen. Der Unterschied: Das menschliche Gehirn gilt als die höchste und ultimative Instanz der Privatheit und Vertraulichkeit von Informationen – und dies gilt es zu bewahren.

Daher hat die Cyberagentur die NeuroMentum AI GmbH damit beauftragt, ein Rahmenwerk für Cybersicherheit in Gehirn-Computer-Schnittstellenanwendungen zu entwerfen. „Es geht vor allem darum, die so genannte Brain Privacy, also die Privatsphäre des Gehirns ganzheitlich zu definieren: Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit die Persönlichkeitsrechte sowie Datensicherheit und Datenintegrität der Nutzer von Gehirn-Computer-Schnittstellen gewahrt bleiben? Wie lässt sich eine dafür nötige umfassende Sicherheitsarchitektur präzise beschreiben? Wie kann an die bereits bestehenden regulatorischen, ethischen und sicherheitstechnologischen Anforderungen angeknüpft werden?“, so der Projektverantwortliche der Cyberagentur, Dr. Simon Vogt.

Dabei sollen nicht nur konventionelle Hacking-Methoden berücksichtigt werden. Das Forschungsteam will darüber hinaus auch untersuchen, welche neuen Einfallstore sich ergeben könnten und wie man diese von vornherein schließt („Privacy by Design“). Ziel ist es, Mechanismen zu entwickeln, mit denen die Nutzer von unterstützender Neurotechnologie jederzeit die vollständige Kontrolle behalten. „Dieses Projekt ist hochinteressant und hat für uns höchste Priorität. Gehirn-Computer-Schnittstellen sind eine echte Zukunftstechnologie – mit großen Chancen, aber auch Risiken. Besonders wichtig ist hierbei, dass diese Initiative der Cyberagentur jetzt vorausschauend und zu einem relativ frühen Zeitpunkt in der Technologieentwicklung erfolgt – so können wir gestalten, anstatt hinterherzulaufen“, sagt der Geschäftsführer von NeuroMentum AI, Dr. Tonio Ball.

Mit ersten Ergebnissen ist bereits im Juni 2022 zu rechnen, diese werden dann gemeinsam mit der Cyberagentur publiziert. Anschließend soll es zudem einen europaweiten Innovationswettbewerb geben, in dem auf Grundlage des Rahmenwerks konkrete technologische Artefakte für sichere neuronale Mensch-Maschine-Interaktionen entwickelt werden sollen.

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