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Aktuelle Lage Coronavirus hält die Medizintechnik-Branche in Atem

| Autor / Redakteur: Julia Engelke / Peter Reinhardt

In einer Pressekonferenz mahnte der Präsident des Robert-Koch-Instituts im Fall des Coronavirus zur Besonnenheit. Die Bundesregierung spricht dagegen von einer deutlich verschärften Lage. Doch welche aktuellen Auswirkungen hat der neuartige Virus auf die Wirtschaft, insbesondere auf die Medizintechnikbranche?

Das Coronavirus ist allgegenwärtig und setzt der Industrie, der Medtechbranche und der deutschen Bevölkerung zu. Durch gründliches Händewaschen und weitere Maßnahmen kann man sich und andere aber vor Ansteckungen schützen.
Das Coronavirus ist allgegenwärtig und setzt der Industrie, der Medtechbranche und der deutschen Bevölkerung zu. Durch gründliches Händewaschen und weitere Maßnahmen kann man sich und andere aber vor Ansteckungen schützen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )
  • Aktuelle Stellungnahmen vom Robert-Koch-Institut und der Bundesregierung
  • Messen: absagen, verschieben oder stattfinden lassen?
  • Auswirkungen auf die Medizintechnikbranche noch nicht absehbar

In einer Pressekonferenz heute Morgen nahm das Robert-Koch-Institut (RKI) Stellung zu aktuellen Entwicklungen. RKI-Präsident Lothar Wieler spricht von einer schweren Krankheitsform, mahnt aber im Fall des Coronavirus zur Besonnenheit. Wichtig sei es, dass sich jeder an die Schutzmaßnahmen halte. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen sowie die Einhaltungen der sogenannten Husten-Nies-Etikette – so sollte man sich und andere am besten vor Ansteckungen schützen. Das RKI schätzt die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aktuell als gering bis mäßig ein. In Deutschland seien bislang nur wenige bestätigte Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus aufgetreten. Man werde diese Einschätzung aber stetig aktualisieren, wenn neue Erkenntnisse dazukämen. Auf globaler Ebene handle es sich aber um eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation.

Krisenstab der Bundesregierung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesinnenminister Hort Seehofer haben indes einen gemeinsamen Krisenstab eingerichtet. Spahn kündigte außerdem verbesserte Informationskampagnen für die Bürger an, wie man sich gegen das Coronavirus schützen könne. In einer Pressekonferenz heute Mittag rief er die Länder dazu auf, ihre Pandemie-Pläne gegebenenfalls zu überarbeiten und zu aktualisieren. Im Zweifel sei es immer besser, eher zu vorsichtig zu sein. Die Sicherheit der Bürger müsse immer vor anderen Interessen Vorrang haben.

Messen reagieren unterschiedlich auf Coronavirus

Vorsichtig gehen auch die Veranstalter von Messen oder anderen internationalen Großveranstaltungen mit dem Thema Coronavirus um. Ein aktuelles Beispiel, das auch kunststoffverarbeitende Medizinproduktehersteller betrifft, ist die Absage der internationalen Technologie-Tage des Spritzgießmaschinenhersteller Arburg, die vom 11. bis 14. März in Loßburg stattfinden sollten. Das Unternehmen begründete seinen Entschluss in einer Pressemitteilung vom 26. Februar damit, keinerlei Risiko eingehen zu wollen, da die Gesundheit von Kunden, Partnern und Mitarbeitenden bei Arburg höchsten Stellenwert habe. Die Absage der Technologie-Tage, zu denen jährlich rund 6.000 geladene Gäste aus aller Welt kommen, sei dabei rein präventiv. Es gebe derzeit keinen bekannten Verdachtsfall im direkten Umfeld des Unternehmens.

Die aktuell stattfindende Embedded World, die internationale Fachmesse für Embedded Technologien, bekommt die Auswirkungen des Coronavirus ebenfalls zu spüren. Laut eines Statements der Nürnberg Messe wurden 900 Aussteller erwartet, 200 Absagen gab es im Vorfeld. Viele Aussteller sind teilweise bis zum ersten Messetag abgesprungen, davon zeugen unter anderem schon aufgebaute, aber unbesetzt gebliebene Stände in den Messehallen.

Die Nürnberg Messe habe Maßnahmen ergriffen, um die Hygiene zu erhöhen. Dazu gehören eine verstärkte Reinigungs- und Desinfektionsvorsorge an allen hochfrequentierten Stellen sowie Aufklärungskampagnen („No-Handshake-Policy“). Darüber hinaus wurde für einen erhöhte Verfügbarkeit von Desinfektionsmaterialien gesorgt: verteilt über die Messehallen wurden dutzende Desinfektionsspender aufgestellt. Ergänzend dazu stehe der Veranstalter in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Diese Maßnahmen sollen auch bei der ersten Medizintechnikmesse in diesem Jahr, der Medtec Live, die auf 31. März bis 2. April terminiert ist, umgesetzt werden. Nach Rücksprache mit dem Veranstalter „spricht zum jetzigen Zeitpunkt nichts dagegen, dass die Messe stattfindet.“

Andere Messeveranstalter reagierten mit Verschiebungen oder vorsichtiger Zurückhaltung auf die aktuellen Coronavirus-Entwicklungen. Die Messe Frankfurt hat als neuen Termin der Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik, „Light + Building“, die ursprünglich vom 8. bis 13. März stattfinden sollte, Mitte bis Ende September 2020 vorgesehen. Die Deutsche Messe meldet, dass es zum jetzigen Zeitpunkt zu früh sei, über eine Verschiebung der Hannover Messe zu entscheiden. Die Industriemesse soll am 20. April starten, es gebe derzeit auch keine nennenswerten Absagen von Ausstellern. Ebenso verhält es sich bei der Verpackungsmesse Interpack. Die Messe Düsseldorf – auch Veranstalter der Medica und Compamed im November – nehme die Sorgen bezüglich des Coronavirus sehr ernst, habe die Messe aber bis jetzt noch nicht abgesagt oder verschoben.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat vor massiven Belastungen für die Konjunktur wegen des Coronavirus gewarnt. „Die Ausbreitung des Coronavirus wird der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr erheblich zusetzen“, erwartet DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Vor allem Produktionsausfälle bei chinesischen und deutschen Firmen in China seinen ein wahrscheinliches Szenario, das auf die Wirtschaft auch in Deutschland und Europa zukommen könne.

Auch Medizintechnikunternehmen bekommen diese Auswirkungen zu spüren. Der Ausbruch des Coronavirus könnte internationale Medtech-Unternehmen wie Medtronic und Boston Scientific Millionen von Dollar kosten, da sich das chinesische Gesundheitssystem darauf konzentriert, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Unternehmen, die in China tätig sind, verzeichnen dadurch ein geringeres Prozedurenvolumen, was bedeutet, dass die Einnahmen im ersten Quartal geringer ausfallen könnten als erwartet. Unterbrechungen der Lieferketten könnten zudem das Umsatzwachstum einiger Medizintechnikunternehmen weiter beeinträchtigen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Schwesterportal DeviceMed.

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