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Kosten und Nutzen der RKI-App Corona-Datenspende-App ist „wichtiges Frühwarnsystem“

| Autor: Susanne Ehneß

529.281 Menschen haben die Datenspende-App bisher heruntergeladen, mehr als 111 Millionen Datensätze zu Vitalwerten wurden an das Robert-Koch-Institut übermittelt. Die App könnte damit zur Blaupause für die wissenschaftliche Kooperation zwischen Bürgern und Forschern werden.

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Gesundheitsdaten für den Kampf gegen Corona
Gesundheitsdaten für den Kampf gegen Corona
(© danutelu - stock.adobe.com)

Seit Anfang April ist die Corona-Datenspende-App erhältlich. Die App, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) entwickelt wurde, erfasst vom Nutzer freigegebene Vitaldaten wie Ruhepuls, Schlaf und Aktivitätsniveau via Fitnessarmband oder Smartwatch. Bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich diese Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich, typische COVID-19-Symptome wie Fieber können durch die App also erkannt werden.

Dadurch soll beispielsweise eine Fieberkarte berechnet werden. Auf Landkreisebene und täglich aktualisiert soll dann laut RKI abgeschätzt werden, ob in einer Region überdurchschnittlich viele Menschen Fieber haben. Dies könne indirekt helfen, die Zahl der an COVID-19 Erkrankten zu schätzen und so zeitnah die Entstehung neuer COVID-19-Hotspots sichtbar machen.

„Durch die vollständige Automatisierung der Prozesskette Datenaggregation, -bereinigung, -voranalyse, -analyse, und -visualisierung ist die Corona-Datenspende das weltweit erste vollautomatisierte Gesundheitsmonitoringsystem auf Basis des CitizenScience-Prinzips und in dieser Größenordnung, das in Realzeit für die Covid-19-Pandemie ein wichtiges, quantitatives prognostisches Frühwarnsystem liefert, insbesondere in Kombination mit anderen Surveillancesystemen, die am Robert Koch-Institut (RKI) betrieben werden“, kommentiert die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion.

Anspruch: sicher und transparent

Nach Auffassung der Bundesregierung ist es „mit der Corona-Datenspende-App gelungen, ein Instrument zu programmieren, das es erlaubt, bevölkerungsweit verschiedenste Gesundheitsdaten und Vitalwerte unter datenschutzrechtlich guten Bedingungen zusammenzutragen“. Der Datenschutz ist bei den sensiblen Daten von besonderer Bedeutung, die Daten werden in einem ISO-27001-zertifizierten Rechenzentrum in Deutschland gespeichert, und der Server wird in der Open Telecom Cloud („OTC“) der Deutschen Telekom gehostet.

Nicht nur sicher, auch transparent will man sein, um das Vertrauen der Teilnehmer nicht zu verspielen. So berichtet das RKI in seinem Blog regelmäßig davon, was mit den zur Verfügung gestellten Daten passiert.

„Ein wissenschaftliches Projekt, bei dem Bürger:innen und Wissenschafler:innen in dieser Größenordnung zusammenarbeiten, hat es weltweit bisher noch nicht gegeben. Das ist wirklich einzigartig“, zeigt sich das Institut im Blog beeindruckt.

Entwicklungskosten

Wie die Bundesregierung mitteilt, sind für die Entwicklung der iOS-App für den Zustand „verschlüsselt und getestet“ Kosten in Höhe von 10.500 Euro (netto) entstanden. Für die Entwicklung der Android-App in diesem Zustand wurden 15.750 Euro (netto) veranschlagt. Hinzu kommen Kosten für die weitere technische Umsetzung, Datenschutz- und Datensicherheit sowie für die Aufbereitung von Informationsmaterialien. Insgesamt sind so Kosten für Einmalleistungen in Höhe von 95.200 Euro (netto) entstanden. Hinzu kommen, wie vertraglich vorgesehen, Aufstockungen für ergänzende Leistungen (technische Umsetzung, Datenschutz- und Datensicherheit, Kommunikation) in Höhe von 38.200 Euro (netto).

Für den Betrieb der App entstehen monatliche Kosten in Höhe von 81.000 Euro (netto). Diese setzen sich aus Serverkosten (45.000 Euro Hardware, Housing, Monitoring, Lizenz) und Support und Maintenance (36.000 Euro) zusammen.

Wie geht es weiter?

Bei der automatisierten Fieberdetektion und dem daraus entwickelten Fiebermonitor soll es nicht bleiben. Das Monitor-System soll weiterentwickelt werden, zudem werden momentan neben den statistischen Verfahren, auf denen der Detektionsprozess beruht, Methoden aus dem Bereich der Mustererkennung und des maschinellen Lernens implementiert.

Darüber hinaus wird laut Bundesregierung derzeit ein Programm-Code implementiert, der als positiv detektierte Fieberfälle mit noch höherer zeitlicher Auflösung (15 Minuten statt 1 Tag) die Zeitreihen klassifiziert, um gegebenfalls COVID-19-spezifische Anomalien in den Kurven identifizieren zu können.

„Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Corona-Datenspende-App und die wissenschaftliche Auswertung der Daten ein Projekt, das zum 31. Dezember 2020 endet. Es wurden und werden verschiedene Funktionen und Erweiterungen diskutiert, deren Umsetzung allerdings nur auf Basis einer nachhaltigen Finanzierung bis mindestens Ende des Jahres 2021 und darüber hinaus erfolgen kann“, erläutert die Bundesregierung. Eine wesentliche Erweiterung der Corona-Datenspende-App sei die Verbindung mit anderen am RKI verankerten Surveillance-Systemen, wie der „GrippeWebPlattform“. „Ganz allgemein werden wissenschaftliche Pläne für Citizen-ScienceProjekte in der Gesundheitsforschung entworfen, für die die Corona-Datenspende-App als Schablone dienen kann“, betont die Regierung.

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