Suchen

13 Klinikübergreifende Verbrundprojekte BMBF stärkt Forschung im Kampf gegen Corona

| Autor: Julia Mutzbauer

Mit dem Nationalen Netzwerk der Universitätsmedizin will das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Forschungsaktivitäten im Kampf gegen die Corona-Pandemie stärken. Dazu wurden insgesamt 13 klinikübergreifende Verbundprojekte auf den Weg gebracht.

Firmen zum Thema

Das Nationale Netzwerk der Universitätsmedizin hat zum Ziel, Daten, Erkenntnisse, Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien aller deutschen Universitätskliniken zusammenzuführen, um die Behandlung von Covid-19-Patienten zu verbessern
Das Nationale Netzwerk der Universitätsmedizin hat zum Ziel, Daten, Erkenntnisse, Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien aller deutschen Universitätskliniken zusammenzuführen, um die Behandlung von Covid-19-Patienten zu verbessern
(© Paulista – stock.adobe.com)

Das Netzwerk hat zum Ziel, Daten, Erkenntnisse, Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien aller deutschen Universitätskliniken und weiterer Akteure zusammenzuführen und auszuwerten. Durch diese Bündelung des Wissens, der Kompetenzen und Ressourcen sollen Strukturen und Prozesse in den Kliniken geschaffen werden, die eine optimale Versorgung der Corona-Patienten sicherstellen. Gleichzeitig soll das Pandemiemanagement durch Versorgungsforschung und die Entwicklung praxisnaher Empfehlungen unterstützt werden.

„Die Kliniken tauschen ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit der Behandlung von Covid-19-Erkrankten aus und lernen so fortlaufend miteinander und voneinander. Gemeinsam lösen sie drängende Fragen für die Verbesserung der Behandlung und entwickeln Behandlungsstrategien und -konzepte, die eine bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten sichern. Außerdem suchen sie nach den besten Wegen, die Pandemie unter Kontrolle zu halten“, erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Das Netzwerk hat 13 Themen festgelegt, zu denen nun klinikübergreifende Forschungsprojekte starten:

  • AKTIN – Echtzeit-Versorgungsforschung mit dem AKTIN-Notaufnahmeregister (AKTIN-EZV): Das AKTIN-Notaufnahmeregister soll für die Pandemie-Forschung angepasst und erweitert werden. Das Register soll die notfallmedizinische Versorgungsforschung verbessern, indem es Strukturen und Prozesse klinikübergreifend einheitlich sichtbar macht. Dabei soll das Versorgungsgeschehen aus der ersten Covid-19-Pandemiewelle analysieren und tagesaktuelle Daten aus Notaufnahmen bereitgstellet werden. Diese können für epidemiologische Auswertungen und Covid-19-spezifische Forschungsfragen genutzt werden. Gleichzeitig sollen wiederkehrende Epidemiewellen und daraus möglicherweise resultierende Versorgungsengpässe im Sinne eines Frühwarnsystems frühzeitig erkannt werden.
  • CEO-sys – Aufbau eines Covid-19 Evidenz-Ökosystems zur Verbesserung von Wissensmanagement und Translation: Evidenzbasierte Medizin garantiert die bestmögliche Versorgung, da sie auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Zahlreiche deutsche Universitätskliniken stellen im Verbund mit dem internationalen Netzwerk Cochrane die wissenschaftlichen Grundlagen dafür bereit. In CEO-sys wird ein nationales Evidenznetzwerk zu Covid-19 aufgebaut – unter der Federführung von Cochrane Deutschland. Der sich dynamisch entwickelnde Daten- und Erkenntnisstand zu Covid-19 wird in diesem Evidenznetzwerk fortlaufend aufbereitet, bewertet und zielgruppengerecht vermittelt. Damit soll eine Basis für individuelle Therapieentscheidungen sowie institutionelle und öffentliche Versorgungsstrategien geschaffen werden.
  • Compass – Coordination on mobile pandemic apps best practice and solution sharing: In diesem Projekt wird eine Plattform aufgebaut, die konkrete Methoden und Werkzeuge für Pandemie-Apps koordiniert und bereitstellt. Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft schließen sich bundesweit dafür zusammen und verfolgen dabei einen Open Source-Ansatz. Gemeinsam koordinieren und bewerten sie die Pandemie-Apps und erstellen Handlungsempfehlungen. Dadurch soll auch eine Basis für digitale Lösungen geschaffen werden, um bei künftigen Pandemien besser digital gerüstet zu sein.
  • COVIM – Bestimmung und Nutzung von SARS-CoV-2 Immunität: Hier kooperieren zahlreiche Universitätskliniken, um immunologische Daten aus Bevölkerungsstudien und der Untersuchung von Covid-19 Genesenen zusammenzuführen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Immunität gegen SARS-CoV-2 zu generieren. Zudem soll untersucht werden, wie die Immunität auf andere Personen übertragen und für neue Therapieansätze genutzt werden kann. COVIM arbeitet eng mit den ebenfalls im Netzwerk Universitätsmedizin geförderten Projekten insbesondere mit NAPKON, B-FAST und CEO-sys zusammen.
  • DEFEAT PANDEMIcs – Deutsches Forschungsnetzwerk Autopsien bei Pandemien: Im Projekt wird ein deutschlandweites Obduktionsnetzwerk aufgebaut, in dem Daten, Biomaterialien und Erkenntnisse systematisch und standardisiert erfasst und zusammengeführt werden. Diese einzigartige Vernetzung der meisten pathologischen, neuropathologischen und rechtsmedizinischen Institute der deutschen Universitätskliniken sowie nicht-universitärer Partner soll ein tieferes Verständnis der Erkrankung und wirkungsvollere Therapieansätze ermöglichen.
  • EViPan – Entwicklung, Testung und Implementierung von regional adaptiven Versorgungsstrukturen und Prozessen für ein evidenzgeleitetes Pandemiemanagement koordiniert durch die Universitätsmedizin: Um Covid-19-Patientinnen und Patienten künftig noch schneller und besser erkennen und behandeln zu können, wird ein nationales Pandemiemanagement benötigt. Es trägt auch dazu bei, Ansteckungen zur vermeiden und auf künftige Pandemien vorbereitet zu sein. Die Universitätskliniken stehen als international vernetzte Versorger und Forschungseinrichtungen im Zentrum regionaler Gesundheitsnetzwerke. Im Projekt kooperieren sie mit dem Robert Koch-Institut und mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst und den Landesregierungen, um dieses Ziel gemeinsamen zu erreichen.
  • FoDaPla – Nationale Forschungsdatenplattform: In diesem Projekt soll eine bundesweit einheitliche, datenschutzkonforme Infrastruktur für die Speicherung von Covid-19 Forschungsdatensätzen geschaffen werden. In dieser Forschungsdatenplattform können beispielsweise Labordaten pseudonymisiert den Forschenden über sichere und transparente Verfahren zur Verfügung gestellt werden. Dadurch soll die Plattform eine zentrale Informationsquelle für unterschiedliche Forschungsarbeiten werden, die sich mit der Entwicklung besserer Behandlungsansätze für Covid-19 befassen.
  • MethodCov – Methodennetzwerk zur Unterstützung von Covid-19 Forschungsprojekten bei der Messung sozialer und kontextueller Faktoren: Ob ein Mensch an Covid-19 erkrankt und wie die Erkrankung verläuft, hängt von sehr unterschiedlichen Faktoren ab. Durch das Projekt MethodCov wird ein Netzwerk von Experten aufgebaut, die den Einfluss der sozialen Faktoren analysieren. Diese betreffen beispielsweise den Beruf oder das Lebensumfeld. Die Erkenntnisse aus diesem Netzwerk können neue Präventionsansätze und klinische Therapiekonzepte für Bevölkerungsgruppen schaffen, die in der Pandemie eines besonderen Schutzes bedürfen.
  • NAPKON – Nationales Pandemie Kohorten Netz: Das Projekt NAPKON soll die Grundlage für ein besseres Verständnis des Krankheitsverlaufs bei Covid-19 und die Erforschung möglicher Therapien schaffen, indem es in wissenschaftliche Studien klinische Daten, Bioproben und Bildgebungsdaten zusammenführt. NAPKON ist eng verzahnt mit dem Aufbau der Nationalen Forschungsdatenplattform und kooperiert mit dem Projekt COVIM. Die so möglich werdenden Studien können beispielsweise Auskunft über die Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung geben, auch wenn die Betroffenen während der Behandlung beispielsweise aus der Klinik zum Hausarzt wechseln.
  • Organo-Strat – Organspezifische Stratifikation bei Covid-19: Durch das Projekt Organo-Strat soll ein Netzwerk etabliert werden, das im Labor entwickelte Organmodelle gemeinsam nutzt. Das ermöglicht, organspezifische Forschungsfragen durch ein abgestimmtes Vorgehen synergistisch zu bearbeiten. Dabei kommt es auf ein enges Zusammenspiel von Universitätskliniken und Hochsicherheitslabors an. Gewebe- und Autopsieproben sollen unter anderem dazu genutzt werden, aussagekräftigere Studien zu Covid-19 und anderen Erkrankungen durchzuführen. Langfristig soll das Therapien ermöglichen, die individuell auf die Patientinnen und Patienten zugeschnitten sind.
  • PallPan – Nationale Strategie für Palliativversorgung in Pandemiezeiten: In diesem Projekt werden auf wissenschaftlicher Basis Handlungsempfehlungen und Informationsmaterialien erstellt, um schwerkranke und sterbende Menschen auch in Pandemiezeiten bestmöglich versorgen und ihre Belange – sowie die Belange ihrer Angehörigen – berücksichtigen zu können. Laut BMBF handelt es sich hierbei um den bisher größten strukturierten Zusammenschluss der Palliativmedizin in einem Forschungsprojekt in Deutschland.
  • RACOON – Radiological Cooperative Network zur Covid-19 Pandemie: Nach den Informationen des BMBF ist RACOON die erste deutschlandweite Radiologie-Plattform, bei der fast alle Universitätskliniken beteiligt sind. Hier werden Röntgenaufnahmen von Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Covid-19 zusammengeführt und mit den Krankheitsverläufen in Beziehung gebracht. Die Befunde werden mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) analysiert. Dadurch soll eine schnellere und präzisere Diagnose der Erkrankung sowie ihres Verlaufs ermöglicht werden. So soll eine Entscheidungsgrundlage für epidemiologische Studien, Lageeinschätzungen und Frühwarnmechanismen geschaffen werden.

Für das Netzwerk Universitätsmedizin stellt das BMBF insgesamt 150 Millionen Euro bereit.

(ID:46899537)

Über den Autor

 Julia Mutzbauer

Julia Mutzbauer

Redaktion, eGovernment Computing