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Forschungspojekt an der Universität Bamberg Blockchain-Projekt soll gefälschte Medikamente eindämmen

| Autor: Julia Mutzbauer

Gefälschte Medikamenten können schädliche oder inaktive Inhaltsstoffe enthalten und sogar zum Tod führen. Laut dem Bamberger Wirtschaftsinformatiker Jens Mattke ist ein großer Teil der global vertriebenen Arzneimittel gefälscht. Deshalb haben vier Wissenschaftler der Wirtschaftsinformatik an der Universität Bamberg eine Blockchain-Plattform entwickelt, um die Pharma-Lieferkette transparenter zu machen.

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Wissenschaftler an der Universität Bamberg haben in einem Forschungsprojekt eine Blockchain-Plattform entwickelt, die alle Medikamente und ihre Transportwege vermerken soll
Wissenschaftler an der Universität Bamberg haben in einem Forschungsprojekt eine Blockchain-Plattform entwickelt, die alle Medikamente und ihre Transportwege vermerken soll
(© fotomek - stock.adobe.com)

Im Rahmen des „MediLedger“-Projektes haben Wissenschaftler der Universität Bamberg am Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik verschiedene Pharmaunternehmen und Blockchain-Experten befragt, um eine transparente und einheitliche Blockchain-Plattform zu entwickeln. Die Plattform soll alle Einheiten – jedes Arzneimittel, jeden Impfstoff – und ihre Transportwege anonymisiert vermerken. Durch das Abgleichen, ob ein Medikament von verifizierten Unternehmen kommt, sollen Fälschungen eingedämmt und verhindert werden, dass diese in Apotheken landen.

Die Universität Bamberg erklärt die Technologie: „Eine Blockchain ist eine Datenbank, die auf vielen Rechnern verteilt ist und digitale Transaktionen dokumentiert. Ursprünglich wurde die Idee der Blockchain für die Kryptowährung Bitcoin entwickelt. Alle Zahlungen mit Bitcoin werden über diese öffentliche, dezentrale Datenbank ausgeführt, ohne dass eine zentrale Instanz, wie eine Bank, die Kontrolle hat“. Dr. Christian Maier, Mitautor der Studie dazu: „Unternehmen aus fast allen Branchen experimentieren mit Blockchain-Projekten. Allerdings schöpfen nur wenige Unternehmen die Vorteile dieser Technologie komplett aus.“

„Bisher ist es üblich, dass alle Blockchain-Teilnehmer zusammen die Plattform verwalten“, erklärt Mitautor Axel Hund. „Aus organisatorischen und rechtlichen Gründen ist es aber – je nach Anwendungsszenario – sinnvoller, dass die Teilnehmer eine zentrale Anlaufstelle bestimmen.“ In ihrer Veröffentlichung nennen die Wissenschaftler diese Person einen „wohlwollenden Diktator“, der die laufenden Geschäftsaktivitäten in Übereinstimmung mit allen Beteiligten ausführt.

Nach Ansicht der Wirtschaftsinformatiker können Blockchain-Anwendungen so angepasst werden, dass Konkurrenten, die normalerweise kein gemeinsames IT-System verwenden würden, zusammen Daten in einer Blockchain abspeichern. „Im Moment befürchten viele Firmen, dass Konkurrenten in einem gemeinsamen System Rückschlüsse auf ihre Geschäftsaktivitäten ziehen können“, so Jens Mattke. Das führe zu einer Vielzahl von IT-Systemen mit uneinheitlichen Daten, die es ermöglichen, dass gefälschte Medikamente in Umlauf geraten. Um das Eindringen von gefälschten Medikamenten in die Märkte zu verhindern, sei es jedoch notwendig, dass alle Konkurrenten ihre Daten in einem gemeinsamen IT-System abspeichern. Das „MediLedger“-Projekt habe einen Algorithmus entwickelt, der dafür sorge, dass nur Transaktionen zwischen verifizierten Unternehmen genehmigt werden, aber Blockchain-Teilnehmer nicht einsehen können, welche Unternehmen beteiligt waren.

„Beispielsweise kann ein Großhändler überprüfen, ob das von ihm gekaufte Arzneimittel seit der Herstellung nur von verifizierten Unternehmen gehandelt wurde, ohne herauszufinden, welche Zwischenhändler beteiligt waren“, erläutert Jens Mattke.

„Unsere Empfehlungen können auch auf andere Branchen übertragen werden, zum Beispiel auf die Finanz- oder Automobilbranche“, so Christian Maier

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