Umfrage in deutschen Krankenhäusern Bei der Digitalisierung hakt es nach wie vor kräftig

Autor: Julia Mutzbauer

Eine Umfrage des Software-Anbieters Cherwell zeigt: Deutsche Krankenhäuser haben noch immer großen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung.

Firmen zum Thema

In einer Umfrage klagen 23 Prozent der Krankenhausmitarbeiter über nicht funktionierende Technik
In einer Umfrage klagen 23 Prozent der Krankenhausmitarbeiter über nicht funktionierende Technik
(© Rido – adobe.stock.com)

Durch die Corona-Pandemie sind die Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern verstärkt in den Fokus gerückt. Doch was sind jenseits der Pandemie die derzeit größten Herausforderungen? Sind Prozesse in Krankenhäusern ausreichend digitalisiert, um diese zu meistern? Diesen Fragen ging der Lösungsanbieter für Enterprise-Service-Management-Software Cherwell in einer Studie zusammen mit YouGov auf den Grund. Dazu wurden in Deutschland 308 Fachangestellte aus dem Gesundheitswesen von Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt.

Das Ergebnis: An erster Stelle der Herausforderungen in Krankenhäusern stehen stagnierende oder sogar sinkende Budgets. Dies gaben 55 Prozent der befragten Krankenhausmitarbeiter an. Auch die gestiegenen Erwartungen der Patienten an die Servicequalität (37 Prozent), die obligatorische Umstellung auf die elektronische Patientenakte (33 Prozent) sowie die Bereitstellung neuer digitaler Dienstleistungen für Patienten, wie etwa Videosprechstunden oder Selbstbedienungsportale (31 Prozent), werden als herausfordernd gesehen.

„Dass eine zeitgemäße digitale Ausstattung von Krankenhäusern notwendig ist, um all diese Aufgaben zufriedenstellend bewältigen zu können, ist mittlerweile unbestritten“, so der Software-Anbieter. Doch in der Studie zeigt sich, dass genau an diesem Punkt noch großer Nachholbedarf besteht: Mehr als ein Drittel (34 Prozent) der deutschen Krankenhäuser ist hinsichtlich der Aufgabe, die Prozesse sowie die Angebote an Patienten schneller und konsequenter zu digitalisieren, schlecht oder sehr schlecht aufgestellt.

Krankenhauszukunftsgesetz: 65 Prozent der Mitarbeiter haben noch nie davon gehört

Die Bundesregierung hat bereits erkannt, dass hier Handlungsbedarf besteht. Mit einem mehrere Milliarden Euro umfassenden Investitionsprogramm – dem „Krankenhauszukunftsgesetz“ (KHZG) – will sie die Digitalisierung der Krankenhäuser vorantreiben. Das Gesetz ist bereits im Oktober 2020 in Kraft getreten. Aber unter den Beschäftigten in den Krankenhäusern hat sich dies bisher kaum herumgesprochen: Zwei Drittel von ihnen haben noch nichts vom KHZG gehört, 19 Prozent kennen es zwar, wissen aber nichts über den Inhalt. Lediglich 12 Prozent haben Kenntnisse über die Bestandteile des Gesetzes.

Von denjenigen Befragten, die das KHZG kennen, gaben immerhin 47 Prozent an, dass Ihre Einrichtung im Jahr 2021 größere Digitalisierungsaktivitäten im Rahmen des Gesetzes plant. Auffallend hierbei ist, dass mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Krankenhäuser mit mehr als 1.000 Mitarbeitern entsprechende Investitionen plant, bei den Krankenhäusern mit 100 bis 249 Mitarbeitern aber nur etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent). Demnach drohen kleinere Krankenhäuser beim Thema Digitalisierung weiter an Boden zu verlieren.

Mitarbeiter klagen vor allem über Stress und nicht funktionierende Technik

Dabei ist die Notwendigkeit groß, Prozesse zu digitalisieren. Denn zahlreiche Krankenhausmitarbeiter berichten von einem enorm hohen Stresslevel. Sie müssten dringend entlastet werden. Häufigste Ursache ist mit 49 Prozent die personelle Ressourcenknappheit – also zu wenige Ärzte sowie zu wenig Pflege- und Verwaltungspersonal. Weitere Stressfaktoren, die genannt werden, sind ein zu hoher Zeitdruck und eine zu geringe Wertschätzung mit jeweils 44 Prozent sowie nicht funktionierende Technik (23 Prozent): Computer, Drucker und medizinische Geräte.

Bei großen Krankenhäusern (über 1000 Mitarbeiter) ist der Leidensdruck oft besonders hoch: Hier klagen 53 Prozent über Ressourcenknappheit und 23 Prozent über zu viele Routineaufgaben, während es bei kleineren Häusern (100 bis 249 Mitarbeiter) nur 33 beziehungsweise 15 Prozent sind.

Das Krankenhauspersonal erhofft sich Unterstützung durch Digitalisierungsmaßnahmen

Bei diesen Problemen setzen Krankenhausmitarbeiter auf Besserung durch Digitalisierungsmaßnahmen: Für 67 Prozent hat eine einfachere und effizientere Erledigung von bürokratischen Aufgaben Priorität. Weitere Erwartungen sind optimierte Dienstleistungen für Patienten (47 Prozent), eine effizientere Bewältigung von medizinischen Aufgaben (44 Prozent), ein höherer Automatisierungsgrad (44 Prozent), Kosteneinsparungen (36 Prozent) sowie die Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit (36 Prozent). Zusammengefasst erhoffen sich Krankenhausmitarbeiter von der Digitalisierung vor allem eine Befreiung von Routinen und bürokratischem Aufwand, um sich besser ihren Patienten annehmen zu können.

Bildergalerie

(ID:47279901)

Über den Autor

 Julia Mutzbauer

Julia Mutzbauer

Redaktion, eGovernment Computing