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Indoor-Navigation Barrierefrei durch Krankenhaus und Amt

| Redakteur: Ira Zahorsky

Wer kennt ihn nicht, den „Passierschein A 38“, den die Comicfiguren Asterix und Obelix in einem Abenteuer besorgen müssen und dazu durch die Gänge des „Haus der Verrückten“ irren. Um sich in Krankenhäusern und Behörden zurecht zu finden, gibt es die kostenfreie Indoor-Navigation everGuide.

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Sogar blinde Menschen soll die Indoor-Navigation everGuide sicher ans Ziel bringen.
Sogar blinde Menschen soll die Indoor-Navigation everGuide sicher ans Ziel bringen.
(Bild: Philipp Plum/ Fraunhofer FOKUS)

Krankenhäuser und Behörden gleichen manchmal einem Irrgarten: alle Gänge und Türen sehen gleich aus, die zahlreichen Schilder sind oft verwirrend. Bundesweit erstmalig wird in einer Behörde, dem Haus der Gesundheit und Familie des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg in Berlin-Mariendorf, die kostenfreie Indoor-App everGuide eingesetzt. Diese wurde vom Berliner Fraunhofer-Institut FOKUS entwickelt und ergänzt das barrierefreie, analoge Leitsystem, das ertastbare Orientierungshilfen und unterschiedliche Farben in jedem Geschoss des Gebäudes beinhaltet, um die digitale Komponente eines Indoor-Navigationssystems.

Das Smartphone zeigt zunächst eine Übersichtskarte des Gebäudes und kann den gewünschten Raum als Ziel eingeben. Wie beim Navigationsgerät für die Straße wird die Route angezeigt und die Person zusätzlich mit akustischen Ansagen geführt. Besucherinnen und Besucher im Rollstuhl können angeben, dass sie einen Weg ohne Treppen wünschen. Sehbehinderten Personen steht zusätzlich ein kontrastreicher Pfeil zur Verfügung. Blinde Menschen können einen akustischen Kompass auswählen. Mit dem akustischen Kompass hört die Person keinen Ton, wenn sie sich auf dem richtigen Weg befindet. Ist er falsch, ertönt ein Klicken, das immer schneller wird, je weiter man das Handy in die falsche Richtung hält.

Um eine sehr hohe Genauigkeit zu erzielen, nutzt das Fraunhofer-Forschungsteam verschiedene Datenquellen gleichzeitig. Beschleunigungs- und Drehratensensoren in Smartphones werden zur Lagebestimmung genutzt. Sie erfassen die Ab- bzw. Zunahme der Geschwindigkeit und die Lageveränderung des Geräts. Verwendet wird auch der Magnetfeldsensor im Smartphone. Größere metallische Strukturen, wie Heizkörper und Stahlträger, beeinflussen lokal die Richtung und Stärke des Magnetfeldes. Diese Anomalien werden zur Lokalisierung genutzt. Zusätzlich wurden Schilder mit einem speziellen QR-Code in den Gängen des Amtes angebracht, die automatisch von der Kamera des Smartphones erkannt werden und ebenfalls zur Positionsbestimmung dienen. Die Navigationssoftware auf dem Smartphone fusioniert die verschiedenen Daten und passt die Navigation entsprechend an.

Um genaues und aktuelles Kartenmaterial zu erstelllen, nutzen die Forschenden einen Roboter, der mit Kameras und Laserscannern (LiDAR) ausgestattet ist. Der Roboter fährt ferngesteuert durch die Gänge und erstellt in wenigen Minuten eine zentimetergenaue digitale Karte.

Das everGuide-System funktioniert ohne permanente Internet-Verbindung auf jedem modernen Smartphone. Die Navigation wird lokal direkt auf dem Smartphone berechnet.

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