Digital Signage für Patienten im Wartezimmer Adieu, Lesezirkel

Von Susanne Ehneß

Warten, bis der Arzt kommt. Und währenddessen gut unterhalten werden: LED-Displays mit kurzen Einspielern und Informationen können die Zeit im ärztlichen Wartezimmer versüßen.

Acht Millionen Zuschauer erreicht das Digital-out-of-Home-Netzwerk von „TV-Wartezimmer“ laut Anbieter jeden Monat
Acht Millionen Zuschauer erreicht das Digital-out-of-Home-Netzwerk von „TV-Wartezimmer“ laut Anbieter jeden Monat
(© TV-Wartezimmer)

Jeder kennt das: Warten, bis der Arzt kommt. Oder vielmehr: Bis man zum Arzt darf. Während der Wartezeit in einer Arztpraxis liest man durch diverse, mehr oder weniger interessante Zeitschriften oder beschäftigt sich mit dem Smartphone. Eine Alternative in immer mehr Praxen: Großformatige Bildschirme im Wartezimmer, die Patienten mit passenden medizinischen Informationen, Nachrichten, Unterhaltung und Wissenswertem rund um die Praxis versorgen und so nicht nur die Wartezeit verkürzen, sondern auch noch sinnvoll informieren.

Christian-Georg Siebke, Mitglied der Geschäftsleitung von „TV-Wartezimmer“, einem Freisinger Unternehmen, das auf digitales Infotainment in der Praxis spezialisiert ist, sieht großen Bedarf bei den gut 70.000 Praxen in Deutschland und Österreich: „Die Leute wollen sich nicht langweilen. Sie wollen sich gut informieren, ganz akut natürlich über ihre aktuellen Gesundheitsthemen. Wir bieten derzeit 950 Filme zu 750 medizinischen Themen an, die verständlich und doch detailliert informieren. Alle Inhalte sind geprüft, zertifiziert und rechtssicher.“ Das medizinische Fachprogramm, von einem zehnköpfigen Redaktions- und Produktionsteam verständlich für Laien aufbereitet, ermächtige die Patienten und mache mögliche Behandlungen verständlich. Es halte die Langeweile fern, so Siebke. Welche Angebote gezeigt werden, entscheiden die jeweiligen Praxen.

Kombination aus LED-Display und Android-Player

Hardwareseitig bestehen die Digital-out-of-Home-Lösungen des Anbieters aus einem hochwertigen 32 bis 55 Zoll großen LED-Display und dem Digital-Signage-PC Giada DN74. Der Münchner Value Added Distributor (VAD) Concept International liefert die Player. Der lüfter- und damit lautlose DN74 kombiniert eine elektronische Architektur auf Basis von ARM-Komponenten, die in Smartphones als State-of-the-Art gelten. Gesucht war explizit eine leistungsfähige Android-Lösung, die mit der ebenfalls auf Android laufenden Ausspielsoftware von TV-Wartezimmer problemlos zusammenarbeitet. Mit Android 7.1 als Betriebssystem, das sich für professionelle Anwendungen in Industrie und Digital Signage bewährt hat, ist der Giada-Rechner gut gerüstet.

Entscheidend bei der Auswahl des Bundles war laut Anbieter auch das Preis-Leistungs-Verhältnis: Android koste keine Lizenzgebühren, die ARM-Architektur sei im Gegensatz zu Intel- oder AMD-Komponenten deutlich günstiger, genügsamer im Stromverbrauch und dennoch rechen- und vor allem grafikstark. Zudem seien ARM-Prozessoren auf dem aktuell angespannten Markt leichter zu beschaffen.

Plug and Play

Concept International kümmert sich nicht allein um die Beschaffung und Auslieferung der Hardware. Das Techniker-Team des VAD testet jeden Mini-PC und spielt auf jeden Player ein zuvor gemeinsam mit TV-Wartezimmer definiertes Software-Image auf, lässt initial Video-Inhalte laufen und stellt so sicher, dass jedes Gerät hundertprozentig funktioniert. Die Inbetriebnahme vor Ort soll damit in wenigen Minuten erledigt sein.

Außerdem läuft der Vertrieb zu den Installationsteams oder direkt in die Praxis innerhalb von höchstens drei Tagen nach Bestellung. „Die besondere Herausforderung dabei ist die Lagerhaltung“, so Martin Polz, Sales Manager und Digital-Signage-Experte bei Concept. „Ständige Verfügbarkeit ist absolut essenziell. Wir versenden im Monat zwischen 70 und 120 Giada-Player an TV-Wartezimmer und halten im Lager immer einen Puffer von zwei bis drei Monaten vor, der sich dynamisch anpasst. Betriebsfertig und sofort verfügbar.“ Sollte ein Mini-PC einmal ausfallen, ist dadurch innerhalb von zwei Tagen eine neue Abspielstation vor Ort.

Christian-Georg Siebke ist dankbar für dieses Einsatzbereitschaft von Concept. Aus leidvoller Erfahrung weiß er, „dass zwar viele behaupten, Lagerhaltung im großen Stil, Versand, Service und Technik im Griff zu haben – aber nur wenige haben es wirklich auch drauf.“

Performantes, nahezu ausfallsicheres System

Der ausgespielte Content wird im Bildschirmnetzwerk von TV-Wartezimmer in HD präsentiert – ohne Ton natürlich, um niemanden zu stören, aber mit leicht verständlichen Untertiteln. Um aktuell zu bleiben, holen sich die Giada-PCs alle halbe Stunde Content-Updates aus dem zentralen Content-Management-System. Dabei tauscht das CMS nur jene Inhalte aus, die wirklich neu sind, etwa Nachrichten oder Wetterinformationen. Auch die essenziellen Software-Updates kommen über diesen Weg auf die Systeme. Sämtliche Inhalte speichert der DN74 vor Ort auf der Festplatte. Das spart bei Konnektivität über Mobilfunk Datenvolumen, und in jedem Fall Zeit. Schließlich befinden sich im Schnitt 30 GB an Daten auf einem TV-Wartezimmer-System. Und auch das Abspielen wird so unabhängig von Bandbreiten und Konnektivität.

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Sollte es, etwa durch einen Stromausfall, dennoch Probleme geben, greift der so genannte „Watchdog“ des DN74, der auf der patentierten JAHC-Technologie von Giada fußt. Der Player fährt, sobald wieder Strom da ist, selbstständig wieder hoch und macht mit dem individuellen Programm ganz einfach da weiter, wo er aufgehört hat. Auch das Rauf- und Runterfahren zu festen Tagen und Uhrzeiten beherrscht der Mini-PC dank dieser Technologie. Das Personal in der Praxis muss sich nicht um das Re-Booten und An- und Ausschalten des Systems kümmern.

Der Markt ist längst nicht abgegrast

1.600 Giada-Player hat Concept 2021 ausgeliefert, und TV-Wartezímmer kommt inzwischen auf über 7.000 Installationen in Deutschland und Österreich. „Wir haben aber noch viel vor“, so Christian-Georg Siebke. „Wir erreichen mit unserem Bildschirmnetzwerk schon heute acht Millionen Zuschauer jeden Monat“. Das sei aber längst nicht das Ende der Fahnenstange. „Im Moment liegt die Marktdurchdringung für hochwertige Videoangebote bei zehn Prozent in Deutschland und bei rund 13 Prozent in Österreich“. Und so haben TV-Wartezimmer und Concept weiterhin gut zu tun. Weitere 1.000 Giada-Player sollen im Jahr 2022 zum Einsatz kommen.

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