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Neues gematik-Release 500 Millionen Rezepte ab in die App

| Autor: Ira Zahorsky

Ab Juli 2021 soll das eRezept das bisherige Papierrezept im Praxisalltag ablösen. Die gematik hat die Vorgaben zur Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur (TI) veröffentlicht.

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In einem Jahr kommt das Arzt-Rezept aufs Smartphone.
In einem Jahr kommt das Arzt-Rezept aufs Smartphone.
(© viperagp - stock.adobe.com)

„Das eRezept wird einen enormen Mehrwert für die Gesundheitsversorgung bringen und das Papierrezept sinnvoll ergänzen. Bisher war alles – von der Rezepterstellung bis zur Abgabe in der Apotheke – papiergebunden und letztlich geprägt von Medienbrüchen. Ich bin überzeugt, dass die Menschen bald nur noch ihre eRezept-App nutzen“, betont gematik-Geschäftsführer Dr. Markus Leyck Dieken.

Künftig sollen Versicherte das elektronische Rezept, das der Arzt oder Zahnarzt im Praxisverwaltungssystem erstellt, elektronisch signiert und im Fachdienst der TI gespeichert wurde, per Smartphone verwalten können. Sie können das eRezept einer Apotheke ihrer Wahl zuweisen oder auf dem Smartphone einen 2D-Code aufrufen, den sie in der Apotheke vorzeigen. Über den Code können Apotheken Verordnungen schneller im Apothekenverwaltungssytem erfassen. Das Entziffern von handschriftlichen Informationen, Eingabefehler und Medienbrüche entfallen. Die Folgestufen des eRezepts wurden bei der Entwicklung berücksichtigt, sodass die Voraussetzungen für das nahtlose Spezifizieren und Umsetzen erfüllt sind.

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Kommentar zur elektronischen Gesundheitsakte

In einem Jahr kommt das eRezept, das laut gematik einen „enormen Mehrwert für die Gesundheitsversorgung“ bringen soll. Doch bislang ist die Digitalisierung im Praxisalltag noch nicht sehr weit fortgeschritten. Als Nutzer einer elektronischen Gesundheitsakte (eGA) ist mein einziger „Vorteil“ bislang, dass ich – nach einem langen Zeitraum – einsehen kann, wie viel meine Arztbesuche gekostet haben. Kein einziger Arzt hat mir bisher angeboten, Dokumente per eGA zu teilen, obwohl die Gelegenheit und der Mehrwert da gewesen wäre. Die meisten Ärzte haben auch keine Zeit, sich mit der Einführung technischer Neuerungen zu beschäftigen. Viele sehen auch nicht, dass die investierte Zeit letztlich zu Zeitersparnis führt.

Auch von Patientenseite scheint die Nachfrage noch nicht sonderlich groß. Vielleicht zögern die Patienten auch, bei den Ärzten nachzuhaken. War bis vor der Coronapandemie doch das Bargeld noch des Deutschen liebstes Zahlungsmittel, auch aus Angst, zu viele Daten preiszugeben – und im Healthcare-Bereich geht es schließlich um die noch viel sensibleren Gesundheitsddaten.

Pannen dürfen bei der Einführung und Entwicklung der Telematikinfrastruktur und der elektronischen Patientenakte nicht passieren, sonst gehen Akzeptanz und Mehrwert gegen Null.

Weitere geplante Funktionen:

  • Spezifikation der Anforderungen für das Zusammenspiel ePA und eRezept sowie weiteren Fachanwendungen wie eMP/AMTS oder NFDM
  • Verordnung von Hilfsmitteln für die Applikation von Arzneimitteln
  • Verordnung von Betäubungsmitteln
  • Privatrezepte für gesetzlich Versicherte
  • T-Rezept
  • Verordnung von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs)
  • Verordnung von Sprechstundenbedarf
  • Verordnung für Heil- und Hilfsmittel
  • weitere in die Arzneimittelversorgung einbezogene Produkte gemäß § 31 SGB V
  • Verordnungen zur Einlösung in einem anderen EU-Land nach § 2 Abs. 1b AMVV

Neben den Spezifikationen für das eRezept beinhaltet das Release 4.0.0 Dokumente zur Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA 2.0) – entsprechend dem Gesetzesvorhaben Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) – sowie zur Weiterentwicklung der Kommunikationsplattform KIM.

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Über den Autor

 Ira Zahorsky

Ira Zahorsky

Redakteurin und Online-CvD, IT-BUSINESS